Zur Zukunft des Gillbachs: Mertens setzt auf Strukturwandel-Fördermittel und wasserstofffähiges Kraftwerk in Neurath
Die Gemeinde Rommerskirchen kämpft weiter für die Zukunft des Gillbachs: Nachdem unter Federführung der Gemeinde gemeinsam mit dem Erft-Verband, dem RWE, dem Rhein-Kreis Neuss, dem Rhein-Erft-Kreis und der Stadt Bergheim ein umfassendes Konzept für die Zeit nach der Braunkohleverstromung erarbeitet wurde, stehen im November die nächsten Gespräche mit den beteiligten Akteuren an.
Ziel ist es, aus dem vorliegenden Konzept konkrete Maßnahmen zu entwickeln und insbesondere Fördermöglichkeiten im Rahmen des Strukturwandels im „Rheinischen Revier“ zu erschließen.
„Für mich steht fest: Wir wollen den Gillbach langfristig erhalten und möglichst dauerhaft als wasserführendes Gewässer sichern. Dafür müssen wir alle Möglichkeiten nutzen – von der ökologischen Gewässerentwicklung über den Wasserrückhalt bis hin zur Nutzung zusätzlicher Wasserquellen. Entscheidend ist, dass wir jetzt gemeinsam an konkreten Lösungen arbeiten“, erklärt Bürgermeister Dr. Martin Mertens.
Strukturwandel bietet konkrete Fördermöglichkeiten
Eine besondere Chance sieht Mertens in der Förderung der so genannten „grün-blauen Infrastruktur“ im „Rheinischen Revier“. Hierbei geht es um die ökologische Entwicklung von Gewässern und Landschaftsräumen, den Wasserrückhalt, die Anpassung an den Klimawandel und die Verbesserung der Lebensräume für Tiere und Pflanzen.
Über die Förderkulissen des „Rheinischen Reviers“ und mit Unterstützung der „Zukunftsagentur Rheinisches Revier“ (ZRR) sollen entsprechende Projekte entwickelt und geeignete Finanzierungsmöglichkeiten geprüft werden.
Dass dies gelingen kann, zeigen bereits andere Projekte im „Rheinischen Revier“. So wird beispielsweise das „Blau-Grüne Band Garzweiler“ mit erheblichen Strukturwandelmitteln gefördert. Auch für die Anpassung von Gewässern an die veränderten wasserwirtschaftlichen Bedingungen nach dem Braunkohleausstieg bestehen eigene Fördermöglichkeiten.
Wasserstofffähiges Gaskraftwerk in Neurath als wichtiger Baustein
Eine besondere Bedeutung misst der Bürgermeister der möglichen Errichtung eines modernen, wasserstofffähigen Gas- und Dampfkraftwerks am Standort Neurath bei.
Bereits seit längerer Zeit setzt sich Mertens dafür ein, dass nach dem Ende der Braunkohleverstromung neue, flexibel steuerbare Kraftwerkskapazitäten entstehen.
Die Gemeinde Rommerskirchen hat mit dem Bebauungsplan RO 55 „Kraftpark Rommerskirchen“ die planungsrechtlichen Voraussetzungen für eine industrielle Nachnutzung des Kraftwerksstandortes vorangetrieben. Auch die Ansiedlung einer modernen Gas- und Dampfkraftwerksanlage ist dabei als Nutzungsoption berücksichtigt.
„Wir werden nach dem Ausstieg aus der Braunkohle weiterhin Kraftwerke benötigen, die unabhängig von Wind und Sonne zuverlässig Strom erzeugen können. Erneuerbare Energien sind ein zentraler Bestandteil unserer Energieversorgung. Aber wenn über mehrere Tage wenig Wind weht und die Sonne kaum scheint, brauchen wir gesicherte, flexibel verfügbare Leistung. Moderne wasserstofffähige Gaskraftwerke können diese Aufgabe übernehmen und perspektivisch mit klimaneutral erzeugtem Wasserstoff betrieben werden“, erläutert Mertens.
Für den Gillbach berücksichtigt das vorliegende Konzept ausdrücklich die mögliche Nutzung von Kühl- und Betriebswasser einer künftigen Gas- und Dampfkraftwerksanlage.
„Ein neues Kraftwerk in Neurath könnte damit gleich mehrfach von Bedeutung sein: für die Versorgungssicherheit, für die wirtschaftliche Zukunft unseres Standortes und für die Wasserführung des Gillbachs. Sowohl beim Betrieb mit Erdgas als auch bei einer späteren Umstellung auf Wasserstoff könnten grundsätzlich nutzbare Wasserströme anfallen“ so Mertens.
Dabei verweist der Bürgermeister ausdrücklich darauf, dass die mögliche Kraftwerkslösung bereits Bestandteil der fachlichen Betrachtungen zum Gillbach ist.
Mertens erhöht seit Monaten den Druck auf Bund und RWE
Für den Bürgermeister zeigt sich gerade am Beispiel des Gillbachs, wie eng Energiepolitik, Strukturwandel und ökologische Verantwortung miteinander verbunden sind.
Mertens setzt sich deshalb seit Monaten gegenüber der Bundesregierung, dem Land Nordrhein-Westfalen und den Energieunternehmen für klare Entscheidungen zur zukünftigen Kraftwerks- und Energieinfrastruktur ein. Auch gegenüber Bundeskanzler Friedrich Merz hat er auf die Dringlichkeit hingewiesen.
„Wir brauchen endlich Planungssicherheit. RWE muss wissen, unter welchen Rahmenbedingungen neue Kraftwerke wirtschaftlich betrieben werden können. Gleichzeitig müssen die notwendigen Stromnetze rechtzeitig zur Verfügung stehen. Es geht hier nicht nur um die Versorgungssicherheit Deutschlands, sondern ganz konkret auch um Arbeitsplätze, Investitionen und die Zukunft unserer Region“, erklärt Mertens.
Die bisherigen Gespräche und die zunehmende Aufmerksamkeit für die Probleme der Kraftwerksstandorte und des Stromnetzausbaus wertet der Bürgermeister als wichtige erste Fortschritte. Nun müssten daraus verbindliche Entscheidungen und Investitionen werden.
„Wir haben erreicht, dass die Probleme unserer Region auf den unterschiedlichen politischen Ebenen deutlich wahrgenommen werden. Jetzt müssen daraus konkrete Ergebnisse entstehen. Ein neues Kraftwerk wäre auch für den Gillbach eine große Chance. Deshalb werde ich bei diesem Thema nicht nachlassen.“
Die weiteren Schritte sollen in enger Abstimmung mit den beteiligten Fachbehörden und Institutionen erfolgen. Mertens betont dabei insbesondere die gute Zusammenarbeit mit dem Rhein-Kreis Neuss.
„Der Gillbach ist ein Gewässer, das mehrere Kommunen und Kreise verbindet. Deshalb brauchen wir eine gemeinsame Strategie. Ich bin froh, dass wir mit dem Rhein-Kreis Neuss und Kreisdirektor Dirk Brügge in dieser grundsätzlichen Zielsetzung übereinstimmen. Auch die Zusammenarbeit mit den weiteren Beteiligten ist dafür von entscheidender Bedeutung.“
Im November finden deshalb weitere Fachtermine statt, bei denen insbesondere mögliche Einzelmaßnahmen, Fördermöglichkeiten, wasserwirtschaftliche Voraussetzungen und die nächsten Planungsschritte im Mittelpunkt stehen.
Dabei geht es ausdrücklich nicht nur um die Frage einer möglichen zusätzlichen Wassereinleitung. Auch die naturnahe Gestaltung des Bachlaufs, die Schaffung von Rückhalteflächen, die ökologische Aufwertung und die bessere Nutzung vorhandener Wasserressourcen sollen weiter untersucht werden.
„Wir wollen konkrete Lösungen statt immer neuer Grundsatzdebatten“
Mertens verweist abschließend darauf, dass das bereits erarbeitete Konzept bewusst unterschiedliche Zukunftsszenarien betrachtet und damit eine wichtige Grundlage für die nächsten Schritte geschaffen hat.
„Niemand kann heute seriös garantieren, dass der Gillbach nach dem Ende der Braunkohleverstromung auf seiner gesamten Länge dauerhaft Wasser führen wird. Aber genauso wenig dürfen wir uns damit abfinden, dass er möglicherweise über längere Zeiträume trockenfällt. Wir müssen jetzt alles daransetzen, die vorhandenen Möglichkeiten auszuschöpfen.“
Dazu gehörten sowohl die Nutzung von Strukturwandelmitteln als auch die weitere Entwicklung des Kraftwerksstandortes.
„Für mich gehören diese Themen zusammen: eine sichere Energieversorgung, ein erfolgreicher Strukturwandel und der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Wenn wir es schaffen, ein modernes wasserstofffähiges Kraftwerk anzusiedeln und gleichzeitig gezielt in die grün-blaue Infrastruktur zu investieren, eröffnen wir dem Gillbach eine echte Zukunftsperspektive“, so Mertens.
Sein Fazit: „Der Gillbach darf nicht zum Verlierer des Braunkohleausstiegs werden. Dafür werde ich mich gemeinsam mit unseren Partnern auch in den kommenden Jahren mit aller Kraft einsetzen.“
