Zeitliche Unwägbarkeiten in Sachen Gillbach: So lange BoA arbeitet, gibt es Wasser aus den Kühlturmtassen
Die Umstellungen „können sich für den Gillbach noch ein paar Jahre nach hinten schieben. Ich halte das für sehr wahrscheinlich.“ Dietmar Jansen, Bereichsleitung Gewässer beim Erft-Verband, war Gast in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Strukturwandel des Düsseldorfer Regionalrates.
Dr. Martin Mertens, der dort Mitglied ist, hatte die Frage aufgeworfen, ob die aktuelle Diskussion um den Zeitpunkt des Braunkohle-Aus (2030 – 2033 – 2036) sich auch auf das Ende der Sümpfungswässer in den Gillbach auswirkt. Jansens Antwort war klar. Und differenziert.
Entscheidend sei die Frage, wann der Füllvorgang der Restseen starte. Denn dieser bedeute zugleich das Ende der Bewässerung des Gillbachs. Wenn zum Beispiel der BoA-Block in Niederaußem drei Jahre länger in Betrieb bleibe (bis 2033 also), müsse auch drei Jahre länger Wasser aus der Kühlturmtasse abgepumpt und in den Gillbach geleitet werden. Der anschließende Rückbau dauere dann auch noch „ein paar Jahre“.
„Das bringt uns als Gemeinde Rommerskirchen eine zusätzliche Frist von ein paar Jahren, um für den Erhalt des Gillbachs zu kämpfen, praktikable Lösungen zu suchen“, freut sich und mahnt zugleich Bürgermeister Dr. Martin Mertens. Seine SPD hat denn auch gleich für den Braunkohle-Ausschuss, der am 25. September zusammentritt, mehrere Anfragen gestellt.
„Die Ausführungen von Dr. Jansen machen deutlich, dass zwischen Veränderungen des Kraftwerksbetriebs, dem sukzessiven Rückbau der Anlagen und einem möglichen Gewässerumbau ein erheblicher Zeitraum liegen kann“, steht dort zu lesen. Die SPD befürchtet, dass „ein entsprechender Gewässerumbau voraussichtlich frühestens Mitte der 2030er Jahre erfolgen könne“. Es müsse daher frühzeitig geklärt werden, wie die Wasserführung des Gillbachs im kommenden Jahrzehnt gewährleistet werden soll. Es dürfe nicht zu einer Situation kommen, in der zwischen dem Ende der bisherigen Kühlwassereinleitung und einer späteren dauerhaften Lösung eine mehrjährige Lücke entsteht und der Gillbach in dieser Zeit trockenfällt. „Aus Sicht der SPD-Fraktion sollte deshalb jetzt eine belastbare Gewässer- und Übergangsstrategie bis mindestens Mitte der 2030er Jahre und – soweit erforderlich – darüber hinaus bis in die 2040er Jahre vorgelegt werden.“
Auch die CDU-Fraktion hat für die Freitag-Sitzung eine Anfrage gestellt, in der sie klar Position bezieht: „RWE hat angekündigt, den Gillbach nach Ende der Kühlwassereinleitung am Oberlauf trockenfallen zu lassen, weil der Bach immer schon nur ,ephemer‘ (vorübergehend, von kurzer Dauer) war. Eine Stützung mit Rheinwasser ist nur für den Unterlauf vorgesehen. Damit ist die Existenz des teilweise renaturierten Baches, dieses Kulturlandschaftsbereiches und des europäischen Aalgewässers gefährdet“. Sie schlägt vor, auch im oberen Bereich Rhein- oder Grundwasser zur Befüllung zu nutzen.
Alle zeitlichen Annahmen, so merkt Martin Mertens an, „sind allerdings noch nicht abschließend geklärt und müssen im weiteren Verfahren mit dem Erft-Verband, dem RWE, den zuständigen Wasserbehörden und den beteiligten Kreisen verifiziert werden. Der nächste wesentliche Schritt ist daher die weitere Abstimmung zwischen der Gemeinde Rommerskirchen, dem Rhein-Kreis Neuss, dem Rhein-Erft-Kreis und den jeweils zuständigen Wasserbehörden. Ein für November vorgesehener Termin soll insbesondere dazu dienen, den derzeitigen Planungs- und Kenntnisstand abzugleichen, Zuständigkeiten zu konkretisieren und zu prüfen, welche fachlichen, wasserrechtlichen und planerischen Schritte bereits jetzt vorbereitet oder eingeleitet werden können.“
Und der Bürgermeister schließt an: „Die Gemeinde Rommerskirchen wird sich weiterhin aktiv in diesen Prozess einbringen. Dabei bleibt das Ziel bestehen, frühzeitig eine tragfähige Perspektive für den Gillbach nach dem Ende der Braunkohleverstromung zu entwickeln und insbesondere einen möglichst dauerhaften Erhalt des Gillbachs als Fließgewässer anzustreben. Aufgrund der engen Verknüpfung mit dem Braunkohleausstieg, der Entwicklung der Kraftwerksstandorte und den wasserwirtschaftlichen Folgemaßnahmen handelt es sich um einen längerfristigen Prozess, bei dem viele Entscheidungen außerhalb der unmittelbaren Zuständigkeit der Gemeinde Rommerskirchen liegen.“
