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Nach dem Anschlag: Krisenstab bestand Bewährungsprobe

Die „Stabsstelle für außerordentliche Ereignisse“ (SAE) der Gemeinde Rommerskirchen bestand ihre erste Bewährungsprobe, als am so genannten „Umspannwerk Rommerskirchen“ Explosionen gemeldet wurden und großflächiger Stromausfall drohte.

Wie bereits gestern berichtet, war die Stabstelle der Gemeinde in weniger als einer Stunde voll im Einsatz. Unter anderem Bürgermeister Dr. Martin Mertens, Stabsstellenleiter Nobert Lange und Feuerwehr-Chef Daniel Krey sondierten die Lage, besprachen mögliche Maßnahmen und stießen auch entsprechende Aktivitäten auf Kreisebene an.

Die Aktivitäten der Stabsstelle zogen sich übrigens bis in die frühen Morgenstunden hin, als quasi mit der aufgehenden Sonne deutlich wurde, dass der angerichtete Schaden in klaren Grenzen gehalten werden konnte. Stromausfälle habe es nur zeitweise an einigen Straßen in Bedburg und Bergheim gegeben, so das RWE.

Jetzt wird vor Ort, aber auch in den politischen Kreisen über die Einordnung des Schadens gemutmaßt. Von „fremdstaatlicher Sabotage“ (ausgeführt wohl von so genannten „Wegwerf-Agenten“ („low level agents“)) ist da unter anderem die Rede. Die zuständigen kriminalistischen Behörden ihrerseits werten Beweismittel und Spuren aus, überprüfen Indizien, suchen nach den Tätern und ihren Hintermännern. Bis zu konkreten Ergebnissen dürfte noch etwas Zeit vergehen.

Derweil zog Bürgermeister Dr. Martin Mertens eine erste Bilanz über Krisenstab und Stabsstelle: „Insgesamt sind wir gut aufgestellt. Der erste ,Ernstfall‘ hat uns weniger überrascht als andere Behörden. Bei der internen Kommunikation können aber trotzdem noch ein paar Stellschrauben gedreht werden, um die Prozesse weiter zu optimieren.“

Norbert Lange, seit jüngstem Leiter der Stabsstelle „Zivile Alarmplanung“ im Rommerskirchener Rathaus, erläutert im Folgenden seine konkreten Aufgaben und bemüht sich um Aufklärung bei den Fachbegriffen.

Der Katastrophenschutz („Großeinsatzlagen und Katastrophen“) baut Strukturen auf, die im Ernstfall (Strom, Wasser, Holz, Evakuierung) helfen sollen, Menschen zu retten und das öffentliche Leben am Laufen zu halten. Oder es wieder in Schwung zu bringen.

Der Zivilschutz kommt im militärischen Angriffs- oder Verteidigungsfalle zum Einsatz. Da es um die nationale Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland geht, unterliegen Fragen und Vorbereitungen in diesem Sektor der Geheimhaltungspflicht.

Der Bevölkerungsschutz wiederum dient der „Vorbereitung der Bürger, um sich in Gefahrenlagen selbst schützen zu können“. Es geht also um den Eigenschutz der Bürger.

Und da hat Norbert Lange jede Menge Hinweise bereit: „Nudeln, Nüsse, Trinkwasser, Obst in Gläsern muss jeder für zehn Tage ausreichend im Keller haben“, postuliert er. Den „Katastrophen-Flyer“ der Gemeinde mit den zehn Anlaufstellen im Gemeindegebiet sollte jeder griffbereit an seinem Kühlschrank hängen haben. Und ganz praktisch: „Bei Stromausfall sofort die Badewanne voll Wasser machen.“

Der Hintergrund ist schnell erklärt: Das Kreis-Wasserwerk im Mühlenbusch verfügt über keine „Netzersatzanlage“ (Notstromaggregat), so dass bei einem großflächigen Stromausfall das Wasser aus der Leitung in kürzester Zeit versiegen könnte. Der Hochtank in Vanikum würde den Druck für maximal vier Stunden aufrechterhalten; danach käme kein Wasser mehr aus der Leitung …

Die Katastrophen-Szenarien sind vielfältig: großflächiger Stromausfall (durch Netzüberlastung oder durch Sabotage wie jüngst am Umspannwerk Rommerskirchen) ist genauso möglich wie Sturm- oder Starkregenereignisse. In diesem Fall kann das Problem „Holz“ hinzukommen, weil alle Hauptverkehrsadern durch umgestürzte Bäume und durch herumliegende Gebäudeteile versperrt sind. Für Starkregen gibt es eine detaillierte Modellberechnung. Sie kommt zu der Erkenntnis, dass das Feuerwehrgerätehaus in Evinghoven nicht mehr erreichbar sein dürfte. Und am Kreisverkehr vor Rommerskirchen (mit Tankstelle) würde das Wasser mehrere Meter hochstehen.

Ein anderes Szenario wären Evakuierungen: Bei extremer Hitze aus dem liegengebliebenen ICE (rund 400 Personen, so die Schätzung), aber auch aus Wohnungen: „In Souterrain-Wohnungen oder auch unterm Dach leben wie alte, gebrechliche, behinderte oder pflegebedürftige Menschen. Die müssen im Katastrophenfall an einen sicheren Ort gebracht“, erläutert Norbert Lange. Man geht übrigens statistisch davon aus, dass drei Prozent der Einwohner hiervon betroffen wären.

Der „sichere Ort“ wäre nach den detaillierten Plänen die Turnhalle der Gillbach-Grundschule, die nach der Starkregenkarte für Busse und Einsatzfahrzeuge ansteuerbar bleiben dürfte. Während der jetzt beginnenden Umbauphase (für die OGS) soll übrigens die Turnhalle der Frixheimer Grundschule genutzt werden.

Das Deutsche Rote Kreuz aus Grevenbroich hat vertraglich zugesichert, für die Versorgung der einkalkulierten 400 „gestrandeten Rommerskirchener“ zu sorgen – mit Feldbetten, Notbedarf und Verpflegung. Hierzu hat es auch schon eine gemeinsame Übung gegeben, die als sehr erfolgreich bewertet wurde.

Allerdings ist bei Stromausfall alles anders: Der Mobilfunk fällt aus; „es gibt keine Handys mehr“. Die e-Autos können nicht mehr geladen. Eine Versorgung mit Lebensmitteln wäre nach den Berechnungen der Polizei spätestens ab dem zweiten Abend nicht mehr möglich. Auch die ärztliche Versorgung und die durch Apotheken wären klar in Frage gestellt.

Auf all diese Fragen muss Norbert Lange als Leiter der Stabsstelle „Zivile Alarmplanung“ Antworten finden. Die Zeit, die von Land und Bund laut Erlass vorgegeben wurde, wird knapp. Er merkt an, dass, als er 2022 in die Gemeindeverwaltung gekommen ist (davor war er Kreisbrandmeister), „diese Schublade hier in der Gemeinde komplett leer war“.

Übrigens eine Feststellung, die für drei Viertel der nordrhein-westfälischen Kommunen gelten dürfte. Und dann lobt er Bürgermeister Dr. Martin Mertens: „Er hat damals schon erkannt, dass auch die Gemeinde Rommerskirchen Pflichten in diesem Bereich hat.“ Seitdem wurde viel Geld in die Aufrüstung der Feuerwehr und viel Schweiß in die Pläne zur Gefahrenabwehr investiert. Das entsprechende Konzept liegt inzwischen in der 24. korrigierten Fassung vor.

Tobias Hantschel, Leiter des Ordnungsamtes, betont: „Das ist eine große und schwierige Aufgabe für so eine kleine Gemeinde wie Rommerskirchen. Wenn wir die Probleme von hier aus lösen wollen, muss – wie damals bei Corona – jeder aus unserer 70-Personen-Verwaltung daran mitarbeiten“. Er zeigt somit den Unterschied zum Beispiel zu einer Stadt wie Neuss auf, deren Ordnungsamt rund 60 Köpfe zählt, während er im Gillbach-Rathaus mit zwei Sachbearbeitern auskommen muss.

Doch der Schutz der Bevölkerung im Katastrophenfall hat nicht nur eine personelle Komponente, sondern auch eine finanzielle: An allen Ecken und Enden müsste schnell investiert werden. Zum Beispiel in Fahrzeuge mit Verbrennermotor (wenn der e-Fuhrpark wegen Strommangel in der Garage bleiben muss). In Lautsprecher- und Funk-Technik für die Information der Bevölkerung, wenn Handys (inklusive der Warn-Apps), Laptops und Fernseher als Informationsquellen ausfallen. In Notstromaggregate, die eine Restversorgung möglich machen.

Hier ist inzwischen jedes Feuerwehrgerätehaus mit der Technik und dem Diesel ausgestattet. Darüber hinaus gibt es auch eine mobile „Netzersatzanlage“, die wahlweise im Rathaus oder in der Turnhalle der Gillbach-Schule für Strom sorgen könnte … Klar, dass Norbert Lange ein weiteres, mobiles Gerät fordert. Fordern muss.

Hantschel bestätigt, dass es diesen Plan gibt. Aber er merkt auch an, dass man für den Fall X vorsorge, der hoffentlich nie eintritt und von dem man nicht weiß, wie er konkret aussieht, … „Man investiert viel Geld und das Zeug steht sich erst einmal kaputt“, so der Leiter des Ordnungsamtes.

Bürgermeister Dr. Martin Mertens macht dennoch deutlich: „Sicherheit ist keine freiwillige Aufgabe, sondern Kern staatlicher Verantwortung. Die Sicherheit der Menschen in unserer schönen Gemeinde steht über allem.“