Martin Mertens: Beim Thema Windkraft und Netzausbau hat Katharina Reiche einen Punkt
Bürgermeister Dr. Martin Mertens erklärt zu den aktuellen energiepolitischen Debatten auf Bundesebene:
„Ich stimme Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche wahrlich nicht in allen Punkten zu. Gerade aus sozialdemokratischer Sicht gibt es in der Energie-, Industrie- und Strukturpolitik immer wieder unterschiedliche Bewertungen. Aber in einem Punkt hat sie recht: Der Ausbau der Windkraft darf nicht länger losgelöst vom tatsächlichen Ausbau der Netzinfrastruktur betrachtet werden.
Wir erleben vor Ort in Rommerskirchen seit Jahren, dass der Ausbau der Windenergie mit erheblichem Tempo vorangetrieben wird, teils gegen den erklärten Willen betroffener Bürgerinnen und Bürger. Gleichzeitig sehen wir, dass die Netzkapazitäten vielerorts nicht in gleichem Maße mitwachsen. Das führt zu einem offensichtlichen Widerspruch: Einerseits entstehen immer neue Anlagen, andererseits fehlen an anderer Stelle ausreichende Kapazitäten, um Strom verlässlich aufzunehmen, zu transportieren und neue Vorhaben anzuschließen.
Genau an diesem Punkt ist die Kritik berechtigt. Es kann auf Dauer nicht richtig sein, immer neue Erzeugungskapazitäten zu schaffen, während die notwendige Infrastruktur hinterherhinkt. Wer die Energiewende ernst meint, muss auch den Netzausbau ernst meinen. Sonst entstehen Fehlsteuerungen, unnötige Kosten und zunehmende Akzeptanzprobleme bei den Bürgerinnen und Bürgern.
Hinzu kommt: Das Problem betrifft längst nicht nur die Windkraft. Auch in anderen Bereichen wird deutlich, dass Netzkapazitäten zu einem Engpass geworden sind. Ob Speicher, industrielle Großverbraucher, Rechenzentren oder andere anschlussrelevante Projekte – vielerorts zeigt sich, dass der Bedarf schneller wächst als die Infrastruktur. Das ist ein Warnsignal für den Wirtschaftsstandort insgesamt.
Gerade deshalb erfolgt in Rommerskirchen auch der Schulterschluss zwischen der Gemeindeverwaltung und der Bürgerinitiative Gegenwind in einem engen und konstruktiven Austausch. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, Scheuklappen gegenüber neuen Investitionen aufzubauen oder sinnvolle Entwicklungen pauschal abzulehnen. Wohl aber geht es darum, eine klare Haltung gegenüber einer überdimensionalen Ausweisung von Windkraftflächen einzunehmen, die weder den örtlichen Gegebenheiten noch der Belastbarkeit von Landschaft, Infrastruktur und Akzeptanz gerecht wird.
Für uns in Rommerskirchen ist deshalb klar: Wir brauchen eine Energiepolitik mit Augenmaß. Dazu gehört der Ausbau erneuerbarer Energien, aber ebenso die ehrliche Feststellung, dass Erzeugung, Netze, Speicher und Versorgungssicherheit zusammen gedacht werden müssen. Es reicht nicht, nur immer neue Zahlen bei genehmigten oder gebauten Windrädern zu präsentieren. Entscheidend ist, ob das Gesamtsystem funktioniert.
Die Menschen vor Ort haben ein Recht darauf, dass Politik nicht ideologisch, sondern vernünftig handelt. Akzeptanz entsteht nicht durch Druck, sondern durch Plausibilität, Transparenz und sichtbare Ordnung. Deshalb ist es richtig, darauf zu drängen, dass der Ausbau der Windkraft künftig deutlich stärker mit den tatsächlichen Netzkapazitäten abgestimmt wird.
Die Gemeinde Rommerskirchen wird sich auch weiterhin für eine Energiepolitik einsetzen, die Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit, kommunale Interessen und die berechtigten Anliegen der Bevölkerung zusammenbringt.“
