Lambertuskapelle in Ramrath
Für sich entdeckt hatte Monsignore Franz Josef Freericks die St. Lambertuskapelle schon bald, nachdem er 1991 Pfarrer in Rommerskirchen wurde. Gemeinsam mit einer Gruppe von Firmlingen steuerte er seinerzeit das historische Gotteshaus bei einer Radtour an. Die Resonanz war beachtlich „Nachher sagten mir die Jugendlichen, dass der Besuch der Lambertuskapelle mit das Tollste bei der Firmvorbereitung gewesen sei“, erinnerte sich der Geistliche einmal in einem Gespräch 20 Jahre später.
„Als Pastor hat man natürlich eine Beziehung zu den Kirchen seiner Gemeinde“, so Freericks, der bis 2017 in Rommerskirchen wirkte. Dass er dabei die Lambertuskapelle an erster Stelle nannte, rührt daher, dass „es die älteste Kirche am Gillbach ist, egal, ob sie nun aus dem achten oder dem elften Jahrhundert stammt.“
Auch wenn es keinen Gründungsstein oder eine Urkunde gibt, die exakten Aufschluss über die Entstehung der Kapelle gäbe, sind sich die Experten einig:
In seinem 1997 erschienenen Standardwerk „Die St. Lambertus Kapelle in Ramrath datiert Autor Alfred Boele die Entstehungszeit auf das neunte, spätestens zehnte Jahrhundert. Dem aus Rommerskirchen stammenden Historiker Hans-Georg Kirchhof zufolge ist die Kapelle das älteste sakrale Bauwerk im gesamten Kreisgebiet.
Im 12. Jahrhundert wurde der Kapelle ein nördliches Seitenschiff hinzugefügt. 1814 wurde es wieder niedergelegt, 1830 wurden die offenen Arkaden zugemauert. 1949/50 erfolgte eine grundlegende Renovierung mit Öffnung der ursprünglichen vorromanischen Fensteröffnungen und der Seitenschiffsarkaden.
Eine Pfarrkirche ist die kleine Kapelle nie gewesen, erst 1961 hat die Hoeninger Pfarrgemeinde St. Stephanus die einstige Eigenkirche des Ramrather Hofs gekauft und restauriert. Zunächst wurde das Seitenschiff restauriert. Den Altar hat der bekannte Kölner Bildhauer Elmar Hillebrand in den 60-er Jahren geschaffen. In seinem rückwärtigen Bereich befindet sich inzwischen ein Holzpodest, konnte der Priester doch zuvor die heilige Messe – ganz vorkonziliar – nur mit dem Rücken zu den Gläubigen Menschen feiern.
In der Kapelle befindet sich ein Bildnis des heiligen Lambert von Lüttich (ca. 635 bis 705) Die Namensgebung weist auf eine sehr frühe Gründung der Kapelle hin. Kirchen nach dem heiligen Lambertus zu benennen, ist in der Region verbreitet. Beispiele sind etwa Neurath oder Bedburg, wo die größte nach Lambertus benannte Kirche steht.
Die wechselvolle Geschichte der Kapelle hat Alfred Boele in seinem Buch mit dem Untertitel „Altehrwürdige Gebetsstätte und kunsthistorisches Kleinod“ dokumentiert. Zur Zeit der napoleonischen Besatzung diente sie etwa als Stall, wobei nicht auszuschließen ist, dass sie bereits in früheren Jahrhunderten zweckentfremdet worden sein könnte. Ein (kirchen-)politisch relevanter Faktor ist die Kapelle ungeachtet der ihr im Lauf der Jahrhunderte zugewachsenen historischen Bedeutung indes nie gewesen.
Franz Josef Freericks pflichtet denn auch dem früheren Nettesheimer Pfarrer Johannes Brendgen bei, der einmal trocken angemerkt hatte, dass die Kapelle ihr Alter nur deswegen habe werden können, weil sie so unbedeutend gewesen sei.
Letzter prominenter Besucher der Kapelle war übrigens der Kölner Kardinal Rainer Maria Wölki. Im Januar 2011 hielt er noch in seiner Eigenschaft als Kölner bei einem Treffen von Landwirten dort eine Andacht.
Womöglich als erster Bischof überhaupt: Dass zuvor einmal ein derart ranghoher Würdenträger dort einen Gottesdienst gefeiert hat, ist zwar nicht auszuschließen, historische Belege dafür gibt es jedoch nicht.
Noch heute besticht die Lambertuskapelle durch ihre schlichte Ausstattung. Weil es keine Heizung gibt, nutzt die Pfarrgemeinde St. Stephanus das Gotteshaus vornehmlich von Mai bis September, unter anderem für die Abendmessen am dritten Mittwoch des Monats sowie für private Gottesdienste wie Taufen oder Trauungen. In der Adventszeit finden hier zuweilen musikalische Darbietungen statt, und der Schützenverein Ramrath-Villau hat hier anlässlich des Schützenfests auch bereits manchen Gottesdienst gefeiert.
Eine informative Broschüre zur Lambertuskapelle liegt im Pfarrbüro Hoeningen, Stephanusstraße 11, 41569 Rommerskirchen aus.
