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Karolin Gathen für den Strukturwandel: „Das Lebensgefühl der Bürger steigern“

„Die Großstadt ist eine angenehme Abwechslung“, postuliert Karolin Gathen, die sich seit 2024 als Strukturwandelmanagerin um die Entwicklung der Gemeinde Rommerskirchen kümmert. Auch wenn ihr das „Gillbach-Land“ am Herzen liegt, liebt sie es in der Kölner Innenstadt zu wohnen.

In Neuss geboren, führte sie ihr Studium (Stadt- und Kulturraumforschung, Urbanistik) quer durch die Republik in kleine und noch kleinere Städte. Zuletzt wirkte sie in Königslutter am Elm, das „stellvertretend für viele Kleinstädte steht, wo Leute sich engagiert einbringen, um etwas zu verbessern. Und dieses Zusammenspiel hält die Stadt am Laufen.“ Ein Mechanismus, den Karolin Gathen auch in Rommerskirchen gegeben sieht.

In der Gemeindeverwaltung ist sie nun für den Themenkreis Strukturwandel zuständig, kümmert sich um „viele kleinere Dinge, die sich zu Projekten clustern“. Da geht es zum Beispiel um den Gillbach, der noch heute gespeist vom Kühlwasser des Kraftwerks Niederaußem vom Strukturwandel ganz explizit betroffen sein wird. „Er wird sich auf jeden Fall verändern und wird so zu einem lebendigen Symbol für das Ende des Kohleabbaus. Er hat unsere Landschaft über Jahrhunderte geprägt. Und seine Zukunft ist für die Menschen hier mit vielen Fragezeichen verbunden.“

Wieso ist er wichtig? Was hat er mit der Landschaft gemacht? Wie wird es mit ihm weitergehen? „Ein für die Menschen bewegendes Thema“, weiß Karolin Gathen. Mit Informationsstelen, „Gillbold“ und ähnlichen Aktionen direkt in den Gillbach-Auen solle deshalb ein Bewusstsein für die Herausforderungen und ein Gefühl für die Geschichte geschaffen werden.

Dass Strukturwandel auch immer viel mit Wirtschaftsförderung zu tun hat, machen zwei andere Themenbereich aus Gathens Aufgabenkatalog deutlich. Da ist zum einen die Frage nach den Fachkräften. Die finden derzeit noch in den Kraftwerken und im Tagebau Brot und Arbeit. Zudem gibt es viele Betriebe und Unternehmen, die auf das RWE ausgerichtet am Markt tätig sind. Aber das wird sich nach dem Kohle-Aus natürlich drastisch ändern: „Wir brauchen große Anstrengungen, dieser Region eine Zukunft zu geben“, betont Karolin Gathen.

Wenn also vorhandene Arbeitsplätze wegfallen, müsse auf Aus- und Weiterbildung gesetzt werden – mit „Ausrichtung auf eine neue, grüne Zukunft“. In diesem Sinne würde ein stetiger Austausch mit den Unternehmern aus Rommerskirchen gepflegt. Ein Problem, das dabei aufgeploppt ist: Praktikumsplätze konnten nicht besetzt werden.

Gathen verweist in diesem Zusammenhang auf die „Ausbildungsbörse“, die zum festen Programm der Gemeinde gehört, und auf das „Personaler-Frühstück“, das mit viel Erfolg quasi aus Dormagen importiert wurde. Anfang Oktober soll es die nächste Runde mit den Entscheidern aus den Personalabteilungen geben.

Parallel ist eine Datenbank mit den Unternehmern der Region in Vorbereitung, so dass Arbeitsuchende mit einem Klick sehen können, was sich in Rommerskirchen im Angebot befindet. Karolin Gathen: „Viele wissen gar nicht um die hohe Diversität der Unternehmen in Rommerskirchen, bei denen sich viele versteckte Schätze finden.“

Das andere Beispiel läuft unter dem Begriff „Fair Trade Town“. Diesen Titel soll die Gemeinde im Oktober verliehen bekommen. „Wir sind nicht die letzten im Rhein-Kreis“, betont die Strukturwandelmanagerin. Immerhin sei es für eine kleine Gemeinde nicht einfach, genügend Mitstreiter in Gastronomie und Handel, in den Schulen und Vereinen zu finden. „Wir wollen niemanden gängeln“, betont Gathen, „gelebte Mitverantwortung“ sei aber wichtig.

Einen großen Tätigkeitsbereich stellt darüber hinaus die Idee vom „MedCampus“ dar, mit dem die ursprüngliche Idee der „Revier-Klinik“ noch weiter gedacht wird. Das Projekt wird auch aus den Rathäusern in Grevenbroich, Bedburg und Jüchen unterstützt und verfolgt aktuell das Ziel, für eine Machbarkeitsstudie im Kontext des Strukturwandels eine Förderung zu bekommen.

Entstehen soll ein „Zukunftsstandort“ mit Forschungseinrichtungen, Start-Ups, klinischen Partnern und Bildungseinrichtungen. Vorrangig mit in der Konzeption: eine wohnortnahe Versorgungseinrichtung für den Notfall mit einer „erforderlich ausreichend guten apparativen Ausstattung“.

Laut Karolin Gathen gibt es drei Ziele mit Blick auf den ,MedCampus‘: Innovation im Gesundheitssektor. Das Gefühl einer wohnartnahen Gesundheitsversorgung für die Bürger. Wirtschaftliche Weiterentwicklung im „Rheinischen Revier“. Durch das Schließen von Krankenhäusern und Stationen im ganzen Land habe sich eine große Unsicherheit ergeben. „Ein Ziel im Strukturwandel ist es auch, das Sicherheitsgefühl und die Lebensqualität der Bürger zu steigern“, postuliert sie aus tiefster Überzeugung.

Die Suche nach der Verbindung von Vergangenheit und Zukunft fasziniert Gathen auch privat: Sie ist Science-Fiction-Fan (ein „Trekkie“ mit klarer Vorliebe für die absolut ethisch konnotierte Serie „Deep Space Nine“) und sie kennt alle Dinosaurier bei ihren lateinischen Namen („Irgendein Hobby muss man als Kind ja auch haben.“)