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Halloween vs. St. Martin: Der Versuch einer Einordnung der „Jahresendzeitfiguren“

Rheinland. Das „Gruselhaus von Evinghoven“ ist im Gillbach-Land und darüber hinaus in heftigster Erinnerung. Erzählt wird unter anderem vom grauslichen Werwolf, der so lebensecht wirkte und sich bewegte, das so mancher „Engel“ mit schlotternden Knieen das besagte, besonders liebevoll dekorierte Haus verließ, nachdem er sich durch die „engen Gänge des Grusels“ geschoben hatte.

Am 31. Oktober steht Halloween wieder an. Und prompt bricht auch sie wieder los, die Diskussion um die Vorherrschaft bei den „Jahresendzeitfiguren“, wie St. Martin, der „große Kürbis“, Nikolaus, der Weihnachtsmann und das Christkind im ehemaligen DDR-Beamten-Deutsch gerne genannt wurden.

„St. Martin hat eine Botschaft – und es ist eine, die seit Jahrhunderten aktuell ist: teilen. Und zwar nicht bei Facebook, sondern im echten Leben“, argumentieren die Fans des Mantel-Teilers.

Die Anhänger der alt-irischen Tradition, die über die USA den Weg zurück nach Europa gefunden hat, bewerten – mit ironischem Unterton – „die moralische und sittliche Erziehung“ anders: „Bei welchem Fest können Kids bitte sonst so astrein das Erpressen lernen? Süßes oder Saures! Gibst du nix Süßes, klatschen Eier an die Fassade“, kommentieren die süß-sauer.

Natürlich gibt es noch mehr Standard-Argumente: „Idole gibt es heute jede Menge, doch nicht alle taugen bei genauerem Hinsehen noch als Vorbild. St. Martin macht vor, wie ein moralischer Kompass aussieht. Er benutzt sein Schwert für das einzig Richtige und teilt damit seinen Mantel“, sagen die einen. Und die anderen antworten: „Halloween ist doch mal ein Fest, bei dem die Kids kreischen und erschrecken können. Besinnlichkeit, Laternen und Gesang? Wie laaaaaangweilig!“

Übrigens: Das Argument mit dem Kommerz gilt in beide Richtungen. Super-Laternen, Plastik-Kürbisse und Bonbons in Karnevals-Mengen regen nun einmal das fröhliche Klingeln der Kassen an. Hier kommentieren die Laternen-Bejaher trocken: „Der Weckmann ist eine der schönsten Begleiterscheinungen der rheinischen St.-Martins-Tradition. Sobald man die ersten Weckmänner in den Bäckereien liegen sieht, ist man mit dem Herbst versöhnt. Und ohne St. Martin gäbe es die Weckmänner erst zu Nikolaus – das kann doch niemand wollen.“

Apropos Nikolaus: Auch der kämpft vehement ums Überleben. Traditionsbewusste Advents- und Weihnachtsfreunde werden deshalb nicht müde, zu postulieren, dass der Tradition nach der Heilige Nikolaus und vor allem das Christkind für die Geschenke zuständig sind. Viele propagieren deshalb auch stolz ihre „weihnachtsmannfreie Zone“.

Der Weihnachtsmann, so betonen sie, sei eine Erfindung, eine werbetechnische Maßnahme von „Coca-Cola“ gewesen und habe mit gelebter, christlicher Tradition nichts zu tun. Andere entgegnen, dass der vielmehr eigentlich eine Erfindung der evangelischen Christen sei, die in Ermangelung von Heiligen-Verehrung eben auch nichts mit dem Nikolaus an der Mütze hätten.

Deshalb sei der Weihnachtsmann, dessen heldenhaften Taten in endlosen Hollywood-Schinken und Streaming-Serien besungen werden, ein willkommener Ersatz gewesen. Eigentlich nur schade, dass für die Geschenke am Heiligen Abend das „Christkindchen“ zuständig ist (… das in Einzelfällen auch zum „Chris-nix-Kindchen“ verballhornt wurde).

Aber, tiefer Seufzer, viele sinngebende Traditionen sind im Laufe der Jahrhunderte in Vergessenheit geraten. Manfred Becker-Huberti, ehemaliger Pressesprecher des Kölner Generalvikariat und profunder Kenner des Vatikans in Rom, ist katholischer Theologe, Experte für religiöse Volkskunde, Buch-Autor und der Mahner in unserer Region, wenn es um das Bewahren von Traditionen geht. Gerne erinnert er zur Weihnachtszeit an das „Adonis-Gärtchen“ und das „Paradiesspiel“, an den „Jul-Frieden“ und das „Christkindl-Einläuten“.

Und erinnert auch daran, dass es an Weihnachten eigentlich nicht um möglichst hohe Geschenkberge und um mit Verpackungsmaterial vollgestopfte Mülltonnen ging: Weihnachten „war verbunden mit der Mahnung: Schaut Euch um! Wer ist krank? Wer ist arm? Jeder muss so versorgt werden, dass er gebührend Weihnachten feiern kann. Zum Beispiel wurde für die gebacken, die es selber nicht mehr machen konnten.“ 

Nun, heute ist vieles anders. Und man hat sich an Spekulatius, Lebkuchen und Zimtsternen schon längst satt gegessen, wenn am Adventskranz (auch zu dem kennt Becker-Huberti eine spannende Geschichte) noch kaum Kerzen brennen.

Der Aufruf

Traditionen – egal, ob neue oder alte – wollen gepflegt werden. Und während die in Sachen St. Martin (vom Fackelbau über die Umzüge bis hin zum Mantelteilen und den großen Feuern) auch in Rommerskirchen „Allgemeingut“ sind, fehlt die entsprechende Übersicht in Sachen Halloween.

Hierzu also der Aufruf: Planen Sie Aktionen, Veranstaltungen, besondere Dekorationen oder Kostüme melden Sie sich einfach im Rathaus (unter  presseamt@rommerskirchen.de). Wir werden daraus eine Zusammenstellung fertigen und rechtzeitig veröffentlichen.

Und besonders gute Ideen dürfen sich dann auch über Besuch aus dem Rathaus freuen …