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„Grenzen des Weiblichen“ – Charlotte Horn zeigt im Rathaus Rommerskirchen Geschichte und Bilder der Frau

Rund 30 Acrylgemälde, eine jahrtausendealte Geschichte und eine zentrale Frage: Wie wurden Frauen gesehen, verehrt, begehrt, gefürchtet und unterdrückt – und welche dieser Vorstellungen wirken bis heute fort? Mit ihrer Ausstellung „Grenzen des Weiblichen – Göttin, Hexe, Lustobjekt“ widmet sich die Künstlerin und Autorin Charlotte Horn der Stellung der Frau in Mythologie, Religion und Kulturgeschichte. Die Ausstellung ist jetzt im Rathaus Rommerskirchen eröffnet worden.

Bei der überaus gut besuchten Vernissage begrüßte Susanne Garding-Maak als Vertreterin des im Urlaub befindlichen Bürgermeisters Dr. Martin Mertens die Gäste. Sie hob dabei die ungewöhnliche Verbindung verschiedener Lebens- und Arbeitsbereiche der Künstlerin hervor: „Charlotte Horn ist eine vielseitige Künstlerin, Autorin und Volljuristin – und eine Frau, die sich nicht ohne Weiteres auf eine Rolle festlegen lässt.“ Gerade dieses Zusammenspiel aus juristischer Erfahrung, schriftstellerischer Ausdruckskraft und künstlerischer Kreativität passe zu einer Ausstellung, die sich mit Bildern, Zuschreibungen und Widersprüchen des Weiblichen auseinandersetzt.

Dabei geht es der Künstlerin nicht um eine bloße dekorative Darstellung historischer Frauengestalten. Ihre Bilder erzählen Geschichten und stellen Fragen danach, wie Frauen gesehen, verehrt, begehrt, gefürchtet und unterdrückt wurden – und warum manche dieser Vorstellungen bis heute nachwirken.

Auch Horns juristische Ausbildung spielt dabei eine interessante Rolle. Die langjährige Tätigkeit als Rechtsanwältin habe ihren Blick auf Fragen von Recht und Unrecht, Macht und Ohnmacht sicherlich mitgeprägt. Susanne Garding-Maak formulierte dazu: „Wenn Charlotte Horn den Frauen in ihren Bildern nachträglich Gerechtigkeit widerfahren lassen möchte, tut sie dies nicht mit Paragraphen, sondern mit den Mitteln der Kunst.“

Mit dem Rathaus wurde bewusst ein öffentlicher Raum zum Ort der Kunst. Ein Rathaus sei schließlich nicht ausschließlich Verwaltungsgebäude, sondern auch ein Ort der Begegnung und des Austauschs. Die Ausstellung soll deshalb nicht nur Kunst präsentieren, sondern auch Diskussionen anregen.

Garding-Maak wünschte sich entsprechend, dass die Ausstellung „viele Gespräche auslöst, dass sie zum Nachdenken anregt und vielleicht auch die eine oder andere bisher selbstverständliche Sichtweise ins Wanken bringt.“

Für die Besucherinnen und Besucher bietet die Ausstellung damit die Gelegenheit, sich mit unterschiedlichen Bildern des Weiblichen auseinanderzusetzen – und zugleich die historischen Machtverhältnisse zu hinterfragen, die hinter diesen Bildern stehen.
Zum Abschluss dankte Susanne Garding-Maak der Künstlerin dafür, die Ausstellung im Rathaus zu ermöglichen. Anschließend führte Charlotte Horns langjährige Freundin und Kunsthistorikerin Bundrock-Hill in die ausgestellten Werke ein.
Der bis 2023 entstandene Bilderzyklus in Acryl- und Ölfarben unternehme einen „Streifzug durch die Weltkulturen“, so die Kunsthistorikerin. Ins Visier nimmt Charlotte Horn dabei „ein seit der Antike tradiertes Frauenbild, dass eine negative ‚naturrechtliche‘ Sicht auf das Weibliche vorgab und das noch immer die Einstellung der Kirche zum Thema Frau und Sexualität mitprägt, und das in einer anmaßend männlich ausgelegten Deutungsmacht“, wie Gabriele Bundrock-Hill sagte.

Der Bogen der Ausstellung reicht von weiblichen Gottheiten der Antike bis hin zu stilisierten Muttergottes- und Mariendarstellungen.

Ein wichtiger Aspekt ist der in der in der Neuzeit beginnende und bis heute in Teilen Afrikas virulente Hexenwahn, dessen Opfer sich mehrere Bilder der Ausstellung widmen.

„Mit eigenen künstlerisch-stilistischen Möglichkeiten von Dekonstruktion, expressivem Pinselstrich und miteinander konkurrierenden Farben stellt Charlotte Horn hier ein idealisiertes Bild des ‚Weiblichen‘ infrage und stößt dabei viele Fragen um das Selbstverständnis der Frau an, bis in unsere Neuzeit hinein mit Aspekten, die immer noch verstören“, brachte Gabriele Bundrock- Hill die Intention der Ausstellung auf den Punkt.
Viele offene Fragen, die angesichts der Thematik naturgemäß offen bleiben, widmeten sich die Besucherinnen und Besucher dann bei regen Gesprächen.