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Eiserne Hochzeit Schlegel Liebe, mit Verständnis für die Unterschiede

Rommerskirchen. Nach 65 gemeinsamen Jahren feiert man „Eiserne Hochzeit“. Renate und August Schlegel von der Uferstraße war dieses hohe Glück beschieden. An diesem Mittwoch konnte gefeiert werden – mit allem, was dazu gehört: Es gab Post vom Bundespräsidenten und von der Landrätin. Von der Gemeinde kamen Bürgermeister Dr. Martin Mertens und sein Stellvertreter Harry Marquardt zum Händeschütteln. Die Jubilarin hatte eigens eine Torte (Schokolade!) gestaltet und dafür vier Stunden investiert. Dazu gab es, auf ganz klassische Art zubereitet, die obligatorische Tasse Kaffee.

Die trinken die eisernen Hochzeiter aber mit viel Milch. „Ich mit 1,5 Prozent Fett, er mit 3,8 Prozent Fett. Jeder eben so, wie er es mag“, lächelte Renate Schlegel. Man sieht: Um lange als Paar glücklich zu sein, kommt es nicht darauf an, dass man alles gleich macht. Viel wichtiger ist das Verständnis für die Unterschiede.

Die beiden stammen aus Oberschlesien, haben auf zwei Höfen – nur getrennt von einer Straße und einem Teich – gelebt, sich so kennen und lieben gelernt. Ihr Lebensweg war allerdings nicht gradlinig: Kurz vor Kriegsende wurden sie aus ihrer Heimat vertrieben, kamen dann in der späteren DDR unter, bevor es dann wieder zurück nach Polen ging.

Als dort die Repressalien immer größer wurden, flohen sie in die Bundesrepublik. Sie lebten lange Zeit in Holzheim, bevor sie dann nach Rommerskirchen zogen. Nach einer Kopf-OP konnte August Schlegel nicht mehr in die fünfte Etage steigen; an der Uferstraße wohnen sie seitdem im Erdgeschoss.

Die beiden haben zwei Kinder. Die Tochter wohnt in Rommerskirchen, arbeitet auf der Intensivstation eines Krankenhauses und kam natürlich zur festlichen Nachmittagstafel der Jubilare. Der Sohn befand sich dagegen mit seinen beiden Söhnen in Urlaub. Der Festkuchen soll bald nachgeholt werden.

Natürlich hatten die beiden viele Anekdoten und Geschichten aus ihrem Leben zu berichten. Renate Schlegel zum Beispiel erzählte von ihrer landwirtschaftlichen Ausbildung und davon, dass sie erst für Trakehner-Pferde und später dann für 800 Rinder verantwortlich war. Wenn diese ausgewachsen waren, wurden sie verkauft: „Wogen sie weniger als 400 Kilogramm, gingen sie nach Italien. Wogen sie mehr als 400 Kilogramm kamen sie nach Russland.“