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Der „Strategische Bahndamm“ lädt zum Entdecken und Genießen ein: Goldener Herbst auf historischen Spuren

Wo einst Züge fahren sollten, rascheln heute die bunten Blätter unter den Füßen: Der „Strategische Bahndamm“ zwischen Rommerskirchen und Neuss ist ein ganz besonderer Ort – ein Stück lebendige Geschichte, ein kleines Naturparadies und gerade jetzt in den Herbstferien eines der schönsten Ausflugsziele unserer Heimat.

Wenn die Herbstsonne durch die Baumwipfel scheint, sich das Laub in leuchtendes Gelb, warmes Orange und tiefes Rot verwandelt und die ersten Blätter langsam zu Boden schweben, zeigt sich der „Strategische Bahndamm“ von seiner vielleicht schönsten Seite.

Hier kann man die Seele baumeln lassen. Mit den Kindern Kastanien und goldene Blätter sammeln, nach Tannenzapfen Ausschau halten, dem Rascheln des Laubes lauschen oder einfach gemeinsam spazieren gehen. Und manchmal reicht es schon, einen Augenblick stehen zu bleiben, tief durchzuatmen und die wunderbare Natur unserer Heimat zu genießen.

Ein Stück Geschichte, das bis heute fasziniert

Dabei ist der „Strategische Bahndamm“ weit mehr als ein schöner Spazierweg. Er ist ein beeindruckendes Zeugnis unserer Geschichte. Seine Ursprünge reichen bis in die Zeit des Deutschen Kaiserreichs zurück. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde eine Eisenbahnverbindung zwischen Rommerskirchen und dem Neusser Hafen geplant. Sie sollte den Transport von Braunkohle erleichtern und zugleich Teil einer größeren Eisenbahnverbindung zwischen dem Ruhrgebiet und dem Westen Deutschlands werden.

Mit Beginn der Bauarbeiten im Jahr 1913 entstand ein gewaltiges Bauwerk: Über viele Kilometer wurden Erdmassen aufgeschüttet, Brücken errichtet und Bahnhöfe vorbereitet. Auch militärstrategische Überlegungen spielten bei der Planung eine Rolle. Die Strecke sollte schnelle und möglichst kreuzungsfreie Zugverbindungen ermöglichen.

Doch die Geschichte nahm einen anderen Verlauf.

Der Erste Weltkrieg, die politischen Folgen des Versailler Vertrags und schließlich die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der 1920er-Jahre führten dazu, dass die Arbeiten 1923 endgültig eingestellt wurden: Auf dem rund 13 Kilometer langen Abschnitt zwischen Rommerskirchen und Holzheim wurde niemals ein Gleis verlegt. Kein einziger Zug fuhr über den fertiggestellten Bahndamm.

Was blieb, war ein außergewöhnliches Bauwerk, das die Landschaft bis heute prägt. Die Natur eroberte sich die Trasse zurück. Bäume wuchsen, Sträucher breiteten sich aus und aus dem einstigen Eisenbahnprojekt wurde über Generationen ein grünes Band durch unsere Heimat. Aus einem vergessenen Bahndamm wurde ein Naturparadies

Dass wir diesen besonderen Ort heute so wunderbar erleben können, ist kein Zufall.
Im Rahmen des europäischen Förderprojekts „Landschaftsgalerie Strategischer Bahndamm“ wurde die historische Trasse in enger Zusammenarbeit der Gemeinde Rommerskirchen, der Städte Grevenbroich und Neuss sowie des Rhein-Kreises Neuss umfassend aufgewertet.

Es entstanden neue und verbesserte Fuß- und Radwege, barrierearme Zugänge, Brücken sowie attraktive Rast- und Aufenthaltsmöglichkeiten. 2021 wurde der Weg grundlegend erneuert. Seitdem erfreut sich der „Strategische Bahndamm“ einer immer weiter wachsenden Beliebtheit.

Bürgermeister Dr. Martin Mertens verbindet mit dem Bahndamm auch ganz persönliche Erinnerungen: „Ich bin schon als Kind auf dem ,Strategischen Bahndamm‘ unterwegs gewesen und habe dort gespielt. Für mich ist das ein ganz besonderer Ort, mit dem viele schöne Erinnerungen verbunden sind. Umso mehr freut es mich, dass es uns gelungen ist, dieses historische Bauwerk gemeinsam mit unseren Partnern und mit europäischer Förderung für die Menschen wieder richtig erlebbar zu machen.“

Ein goldener Herbstspaziergang für die ganze Familie

Gerade jetzt in den Herbstferien lohnt sich ein Ausflug ganz besonders.
Der Weg führt über weite Strecken durch einen wunderschönen grünen Korridor, der sich im Herbst in ein buntes Blätterdach verwandelt. Immer wieder eröffnen sich zwischen den Bäumen reizvolle Ausblicke auf die Felder und die weite Landschaft des Rheinischen Reviers.

Wer aufmerksam unterwegs ist, entdeckt die historischen Brückenbauwerke, die noch heute an die ursprüngliche Bestimmung des Bahndamms erinnern. Auch die Kunstwerke des international bekannten Bildhauers Ulrich Rückriem, dessen sieben Steinskulpturen entlang der Strecke aufgestellt wurden, machen den Spaziergang zu einer kleinen Entdeckungsreise.

Und das Schönste daran: Man muss gar nicht weit reisen, um etwas Besonderes zu erleben. Ein kleiner Spaziergang mit den Kindern, eine Fahrradtour mit der Familie oder eine gemütliche Wanderung zu zweit – der Bahndamm bietet Raum für all das, was im Alltag manchmal zu kurz kommt: Zeit füreinander, Ruhe und das bewusste Erleben unserer Natur.

„Gerade in einer Zeit, in der vieles immer schneller wird, brauchen wir solche Orte“, sagt Bürgermeister Mertens. „Orte, an denen Kinder noch unbeschwert die Natur entdecken können, an denen man gemeinsam unterwegs ist und an denen man spürt, wie schön unsere Heimat ist. Wenn ich im Herbst über den Bahndamm gehe und die Sonne durch die goldenen Blätter scheint, dann ist das für mich ein ganz besonderes Stück Lebensqualität.“

Ein Bauwerk der Vergangenheit – ein Geschenk für die Zukunft

Der „Strategische Bahndamm“ erzählt auch eine bemerkenswerte Geschichte des Wandels. Was vor mehr als 100 Jahren als große Eisenbahntrasse begann und niemals vollendet wurde, ist heute ein Ort der Begegnung, der Erholung und des Naturschutzes geworden.

Wo einst Dampflokomotiven fahren sollten, sind heute Familien mit Kinderwagen unterwegs. Wo früher militärische und wirtschaftliche Planungen die Landschaft prägten, hört man heute Vogelstimmen und das Lachen spielender Kinder.
Und genau das macht diesen Ort so einzigartig.

„Der ,Strategische Bahndamm‘ zeigt, wie aus einem historischen Bauwerk etwas wunderbar Neues entstehen kann. Wir haben hier nicht nur ein Stück Geschichte bewahrt, sondern gleichzeitig einen wertvollen Raum für Natur, Erholung und Lebensqualität geschaffen. Darauf können wir gemeinsam stolz sein“, so Mertens.
„Deshalb mein ganz persönlicher Tipp für diese Herbstferien: Ziehen Sie sich eine warme Jacke an, nehmen Sie Ihre Familie oder gute Freunde mit und machen Sie sich auf den Weg. Sammeln Sie ein paar schöne Herbstblätter, genießen Sie die frische Luft und entdecken Sie den Strategischen Bahndamm vielleicht einmal mit ganz neuen Augen.“

Denn manchmal liegt das Schönste direkt vor unserer Haustür …