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Delegation aus der Partnergemeinde Mouilleron-le-Captif besuchte am „Himmelfahrts-Wochenende“ die Gemeinde Rommerskirchen

18.05.2026 | Pressemitteilung

Im seit mehr als zwei Jahrzehnten üblichen Zwei-Jahres-Turnus besuchte am vergangenen Wochenende eine Abordnung aus der Partnergemeinde Mouilleron-le Captif die Gemeinde. Die französischen Gäste trafen an Christi Himmelfahrt nach 900 Kilometer Busfahrt in Rommerskirchen ein, wo sie mit einem üppigen deutschen Frühstück im katholischen Pfarrheim St. Peter bewirtet wurden, ehe sie in den folgenden Tagen ein umfangreiches Programm – über Rommerskirchen hinaus – absolvierten.

Beim offiziellen Empfang durch die Gemeinde hieß Bürgermeister Dr. Martin Mertens die französischen Freunde im überfüllten Ratssaal willkommen: Neben Veronique Quillet-Diet, der Vorsitzenden des französischen Partnerschaftskomitee, wurde die Delegation von Catherine Pavageau, stellvertretende Bürgermeisterin und Beigeordnete für Kultur, Veranstaltungen und internationale Beziehungen, Pascal Thibault, Beigeordneter für Stadtplanung und Raumentwicklung, Wirtschaft sowie Straßenwesen und Verkehrssicherheit und dem Gemeinderatsmitglied Olivier Giraudeau angeführt.

Unter den Gästen im Ratssaal befand sich auch auch Albert Glöckner, der als Bürgermeister gemeinsam mit seinem damaligen Kollegen Philippe Darniche 2002 die Gemeindepartnerschaft offiziell begründet hatte.

Angesichts der krisenhaften Situation von Welt- und Europapolitik widmete sich Martin Mertens den besonderen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich nicht zulett aus historischer Perspektive und nannte einige Stationen der spätestens seit dem 17. Jahrhundert „nicht immer einfachen gemeinsamen Geschichte“.

Schon im Deutsch-Französischen Krieg von 1870 bis 1871 habe eine später als „Erbfeindschaft“ bezeichnete Entwicklung eingesetzt – „ein Begriff, der ausdrückt, wie tief Misstrauen, Rivalität und nationale Gegensätze in den Köpfen der Menschen verankert waren“, wie Mertens sagte.
Einen weitaus grausameren Verlauf nahm der Erste Weltkrieg von 1914 bis 1918 mit Millionen Toten, wobei der Bürgermeister mit der Schlacht bei Verdun einen besonders markanten Tiefpunkt in den wechselseitigen Beziehungen beider Länder ansprach : „Eine ganze Generation wurde gekennzeichnet oder ausgelöscht.“

Noch grausamer war der von Nazi-Deutschland begonnene Krieg, „der unermessliches Leid über ganz Europa bracht und zudem unvorstellbare Verbrechen“, wobei der Bürgermeister hier beispielhaft die Gräueltaten des nationalsozialistischen Regimes an der französischen Zivilbevölkerung nannte.
„Das grausame Massaker von Oradour-sur-Glane, bei dem im Juni 1944 643 Menschen – darunter Frauen und Kinder – von einer Einheit der Waffen-SS ermordet wurden, steht bis heute als erschütterndes Symbol für die Barbarei jener Zeit“, sagte Martin Mertens.

Mertens, dessen Großvater den Zweiten Weltkrieg von 1939 bis 1945 auch in Frankreich miterlebte, ist überzeugt: „Diese Feindschaft war kein Naturgesetz – sie war das Ergebnis von Nationalismus, politischen Spannungen und gegenseitigen Vorurteilen, die sich über Jahrzehnte hinweg verstärkten.“

Die sogenannte „Erbfeindschaft“ sei kein unabänderliches Schicksal. „Sie war menschengemacht – und sie konnte überwunden werden. Und genau das ist das große Wunder Europas“, schlug der Bürgermeister den Bogen in die Nachkriegszeit, in der „aus Feindschaft Versöhnung wurde.“

Angesichts der internationalen Politik sei es „von entscheidender Bedeutung, dass Europa zusammensteht“, betonte Martin Mertens.
Von besonderer Bedeutung sei, „dass die beiden großen Länder im Herzen Europas – Deutschland und Frankreich – gemeinsam Verantwortung übernehmen. Unsere Freundschaft ist ein Fundament für die Zukunft Europas“, sagte der Bürgermeister.
Die Freundschaft stehe „für Dialog statt Konfrontation, für Menschlichkeit statt Ausgrenzung, für Zusammenarbeit statt Egoismus“.
Für Martin Mertens ist „die Partnerschaft zwischen Rommerskirchen und Mouilleron-le-Captif ein kleines, aber umso bedeutenderes Beispiel dafür, wie dieses große europäische Projekt im Alltag gelebt wird. Hier wird Europa greifbar.“

Catherine Pavageau verlas ein Grußwort von Bürgermeister Jacky Godard, der bei den französischen Kommunalwahlen im März ebenso wie sie selbst im Amt bestätigt wurde.

Unter den Gästen im Ratssaal befand sich auch Josef Pohl, seit Jahrzehnten einer der wohl glühendsten Verehrer französischer Lebensart in Rommerskirchen. U.a im Gespräch mit Catherine Pavageau erinnerte er an den einstigen Bürgermeister der ehemaligen „Mairie Evinghoven“ Franz Ferdinand Joseph Weygold, dessen Grab sich auf dem Hoeninger Friedhof befindet. Weygold war einst General in Napoleons Armee und ist der bis heute wohl einzige Rommerskirchener, der mit dem Orden Pour le merité ausgezeichnet wurde. Pohl (86) hatte sich vor einigen Jahren erfolgreich dafür engagiert, dass Weygolds Grab gepflegt wird.

Die französischen Freunde besuchten in Rhöndorf den einstigen Wohnsitz Konrad Adenauers, wo nach den Worten von Susanne Schumacher, der Vorsitzenden des aktuell 53 Mitglieder zählenden Rommerskirchener Partnerschaftskomitees eine überaus eindrucksvolle Führung angeboten wurde. In Bonn konnten sich die Reisegruppe zwischen einer Führung durchs ehemalige Regierungsviertel oder einem Besuch des Hauses der Geschichte entscheiden.

Susanne Schumacher und die Gründungsvorsitzende Ursula Loux- Schorsch zeigten sich erfreut über das gelungene (verlängerte) Wochenende und den reibungslosen Verlauf des Besuchs. Gleichwohl beschäftigen sich beide seit längerem mit der Frage, „wie man die Partnerschaft zukunftsfähig macht“, so Susanne Schumacher. Ebenso wie für sie ist auch Ursula Loux- Schorsch überzeugt, dass es viele jüngere Menschen in der Gemeinde gibt, die sich dafür begeistern ließen, die Gemeindepartnerschaft weiterzuentwickeln.

Einen ersten Ansatzpunkt dürfte hierfür der erste deutsch-französische Jugendaustausch seit 2018 bieten, bei dem im Sommer zwölf Kinder und Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren aus dem Gemeindegebiet gemeinsam mit drei Betreuern in die Vendée reisen und eine Woche in Talmond- St. Hilaire unweit von Mouilleron-le-Captif verbringen werden.

Seine „Spuren“ wird der Besuch übrigens noch eine Weile länger hinterlassen: Nicole Musiol, Kulturamtsleiterin und offizielle Vertreterin der Gemeinde im Partnerschaftskomitee, hatte im Vorfeld die erste gemeinsame Ausstellung von Künstlerinnen und Künstlern beider Kommunen im Rathaus organisiert, die am Wochenende eröffnet wurde und bis August andauern wird.