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Anschlagsversuch in Gohr: „… verrückte Lage!“

„Wenn das Bekennerschreiben, das jetzt aufgetaucht ist, echt sein sollte, spricht dies für jemanden, der gegen fossile Energie ist. Dann zeigt das umso mehr, in welch verrückten Lage wir sind: Auf der einen Seite wissen wir, der Braunkohle-Ausstieg 2030 kann gar nicht mehr funktionieren. Selbst 2033 wackelt. Die Zahlen liegen auf dem Tisch. Und dann gibt es auch noch Leute, die das überlastete Netz angreifen.“ Bürgermeister Dr. Martin Merten spricht Klartext, nachdem am gestrigen Abend auch noch ein Anschlagsversuch auf das Umspannwerk in Gohr aufgedeckt und verhindert werden konnte.

Das Umspannwerk Gohr liegt auf der Gemeindegrenze und gehört zu 50 Prozent zu Rommerskirchen (Widdeshoven).

Dort waren zwischen Hoeningen und dem Umspannwerk auffällige Objekte, mutmaßliche Abschussvorrichtungen für Kupferkabel, die für Kurzschlüsse sorgen sollten, entdeckt worden. Wie im Fall des Umspannwerkes Rommerskirchen wurden die Gegenstände auch hier in unmittelbarer Nähe eines Maisfelds gefunden. Heute Morgen waren Kräfte der Polizei noch vor Ort im Einsatz, sammelten Spuren und Hinweise.

Bürgermeister Mertens ordnet ein: „Das Umspannwerk Rommerskirchen und das Umspannwerk Gohr (Dormagen), die beide in dieser Woche Anschlagsziele wurden, bilden eine Achse direkt durch die Gemeinde Rommerskirchen und sind elementar für die Stromversorgung der Gemeinde. Und der Region.“ Für ihn wird durch die Vorfälle an den beiden Umspannwerken zweierlei deutlich: Zum einen zeige sich eine gewisse Anfälligkeit in der infrastrukturellen Grundversorgung. Hier sei die Politik gemeinsam mit RWE und „Amprion“ gefordert, Schutz vor Anschlägen mit in die Konzepte aufzunehmen.

„Zum anderen wird deutlich, dass umgehend und umfassend in die Netzstruktur investiert werden muss. Für mich sind das zwei Seiten einer einzigen Medaille: Versorgungssicherheit braucht moderne, ausreichend dimensionierte und geschützte Stromnetze“, so der Bürgermeister, der seit diesem Frühjahr unentwegt auf die Netzproblematik in der Region, im „Rheinischen Revier“, hinweist.

Sichere, leistungsfähige Netze sowie ausreichend Strom für der Strukturwandel sind für Mertens elementare Forderungen. Und er wiederholt: „Sobald die Versorgungssicherheit ohne Kohle gewährleistet ist, können die Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. Keinen Tag früher, keinen Tag später. Dafür aber, dass dieser Tag möglichst bald kommt, sollten alle endlich die Ärmel hochkrempeln und ranklotzen.“