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Kämmerei nimmt freiwillige Leistungen in den Blick – Bürgermeister Mertens warnt vor Einsparungen zu Lasten von Bildung, Jugend und Ehrenamt

Im Rahmen der laufenden Haushaltsaufstellung für 2027 hat die Gemeindeverwaltung sämtliche freiwilligen Leistungen der Gemeinde umfassend erfasst und auf mögliche Einsparpotenziale untersucht. Damit kommt sie auch einem ausdrücklichen Wunsch der CDU-Fraktion nach, die freiwilligen Leistungen transparent darzustellen und auf den Prüfstand zu stellen.
Die Bestandsaufnahme der Kämmerei unter Leitung von Susanne Garding-Maak ergibt ein jährliches Volumen von rund 2,1 Millionen Euro. Nicht berücksichtigt sind dabei die Kosten des Schülerspezialverkehrs, deren tatsächliches Einsparpotenzial derzeit nicht verlässlich beziffert werden kann.
Zu den freiwilligen Leistungen gehören unter anderem die Förderung von Vereinen und Veranstaltungen, Angebote für Kinder und Jugendliche, das beitragsfreie dritte Kindergartenjahr, der Betrieb des Hallenbads sowie freiwillig eingerichtete politische Ausschüsse.
„Ist die dauerhafte Leistungsfähigkeit der Gemeinde gefährdet, können auch freiwillige Leistungen nicht von vornherein von einer kritischen Überprüfung ausgenommen werden“, erklärt Kämmerin Susanne Garding-Maak. Allerdings gehe es ausdrücklich nicht um pauschale Kürzungen oder einen Kahlschlag im gesellschaftlichen Leben.
Bürgermeister Dr. Martin Mertens begrüßt die umfassende Bestandsaufnahme und mahnt zugleich zu einer differenzierten Betrachtung.
„Es ist richtig, dass wir auf Wunsch der CDU-Fraktion alle freiwilligen Leistungen transparent auflisten und gemeinsam überprüfen. Allerdings bedeutet freiwillig nicht automatisch verzichtbar. Und schon gar nicht bedeutet es, dass jeder dort ausgewiesene Euro tatsächlich eingespart werden kann“, betont Mertens.
Insbesondere bei Bildung, Kindern und Jugendlichen sieht der Bürgermeister Kürzungen kritisch: „Bildung ist unsere wichtigste Zukunftsinvestition. Gerade in schwierigen Zeiten halte ich es für den falschen Weg, bei unseren Kindern und Jugendlichen zu sparen. Auch unsere Vereine leisten einen unschätzbaren Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Dieses Engagement dürfen wir nicht leichtfertig gefährden.“

Wie begrenzt die kommunalen Handlungsspielräume tatsächlich sind, verdeutlicht nach Auffassung des Bürgermeisters ein Vergleich mit der Kreisumlage.

Während die Gemeinde jährlich rund 2,1 Millionen Euro für die erfassten freiwilligen Leistungen aufwendet, muss sie allein 2026 rund 13,6 Millionen Euro an den Rhein-Kreis Neuss abführen – einschließlich der Umlagen für Jugendamt und Musikschule. Damit fließt etwa ein Viertel des gesamten Gemeindehaushalts an den Kreis.

Für 2027 zeichnet sich nach den bisherigen Planungen eine weitere Mehrbelastung von rund 1,1 Millionen Euro ab.
„Zwei Millionen Euro für freiwillige Leistungen hören sich zunächst nach sehr viel Geld an. Wenn man diese Summe allerdings den 13,6 Millionen Euro gegenüberstellt, die wir jährlich an den Kreis überweisen müssen, relativiert sich das sehr schnell“, erklärt Mertens.
Der Bürgermeister macht die Dimension deutlich:
„Selbst wenn wir sämtliche freiwilligen Leistungen streichen würden – also unser Schwimmbad, wichtige Bildungsangebote, die Förderung unserer Vereine und zahlreiche Angebote für Kinder und Jugendliche –, könnten wir damit nicht einmal annähernd die gesamte finanzielle Belastung durch den Kreis ausgleichen. Das zeigt, wie begrenzt unsere tatsächlichen Möglichkeiten sind.“
Dabei sei die rechnerische Gesamtsumme keineswegs mit einem realisierbaren Einsparpotenzial gleichzusetzen. Zahlreiche Leistungen seien vertraglich gebunden, verursachten bei einer Streichung Folgekosten oder müssten durch andere Angebote ersetzt werden.
„Wir müssen selbstverständlich verantwortungsvoll mit jedem Euro umgehen. Aber wir dürfen nicht den Eindruck erwecken, dass sich die strukturellen Finanzprobleme unserer Kommunen allein dadurch lösen lassen, dass wir vor Ort das gesellschaftliche Leben zurückfahren“, so Mertens.

Die Verwaltung wird die Ergebnisse der Bestandsaufnahme in die anstehenden Haushaltsberatungen einbringen. Konkrete Kürzungsvorschläge gibt es bislang nicht.
„Die gesetzlichen Pflichtaufgaben müssen dauerhaft gesichert bleiben. Gleichzeitig wollen wir die Lebensqualität in Rommerskirchen erhalten. Deshalb müssen mögliche Einsparungen sorgfältig gegen ihre gesellschaftlichen Auswirkungen abgewogen werden“, betont Kämmerin Garding-Maak.
Für Bürgermeister Mertens steht fest, dass die Verantwortung nicht allein bei den Kommunen liegen darf:
„Wenn der Rhein-Kreis Neuss immer höhere Umlagen benötigt, müssen wir gemeinsam mit der Landrätin und dem Kreis nach Lösungen suchen. Es kann nicht sein, dass die finanziellen Schwierigkeiten auf Kreisebene letztlich dazu führen, dass wir vor Ort bei Bildung, Jugend, Sport und Ehrenamt die Grundlagen unseres Gemeinwesens infrage stellen müssen.“
Die Entscheidung über mögliche Veränderungen bei den freiwilligen Leistungen liege nun beim Gemeinderat.

Der Bürgermeister wörtlich: „Wir haben die Zahlen transparent auf den Tisch gelegt. Jetzt werden wir gemeinsam beraten, welche Prioritäten wir setzen. Mein persönliches Ziel bleibt dabei klar: Rommerskirchen soll auch in finanziell schwierigen Zeiten eine familienfreundliche, lebenswerte Gemeinde mit einem starken Vereinsleben und guten Bildungsangeboten bleiben“.