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„Praxis am Gewerbepark“: Viele Dankesbriefe von Verstorbenen …

„Die Politik ist tatsächlich ein Problem“, seufzen Petra Felis und Dr. Andrea Mertens gleichermaßen. Die beiden Ärztinnen, die sich schon aus Studienzeiten kennen und quasi seit ihrem ersten Tag an der Uni befreundet sind, wollen im kommenden Januar eine gemeinsame Praxis eröffnen und so die ärztliche Präsenz in Rommerskirchen deutlich steigern.

Klar, dass die beiden in den Wochen vor der Praxis-Eröffnung jede Menge größerer und kleinerer Herausforderungen bewältigen müssen: Vom anzubauenden Windfang vor dem Eingang bis hin zur langen Liste der bauamtlichen und gesundheitsamtlichen Genehmigungen, vom notwendigen Personal (aktuell werden noch eine Diabetes-Beraterin sowie eine medizinische Fachangestellte gesucht) bis hin zur richtigen Einrichtung des Labors reicht der Bogen.

Das sind allerdings alles Aufgaben, die die beiden Ärztinnen auf dem Weg zur eigenen, gemeinsamen Praxis gerne angehen. Die eigentlichen, systemischen und damit schwerwiegenden Probleme erwachsen dagegen eher aus der Gesundheitspolitik, die seit Jahren in Berlin gemacht wird. Hier sprudeln die Wünsche und Verbesserungsvorschläge nur so aus den beiden Ärztinnen heraus: die Formalitäten der Krankschreibungen, die Menge und Unterschiede bei den Abrechnungen mit den Krankenkassen und … und … und …

Petra Felis (56) ist dabei in Rommerskirchen schon bekannt: Vor elf Jahren hat die Fachärztin für Allgemeinmedizin sich als Hausärztin am Gillbach niedergelassen. Aktuell wirkt sie noch in der „Praxis am Gillbach“. Die gebürtige Neusserin, die in Grefrath wohnt, möchte jetzt – zusammen mit ihrer Studienfreundin – den Schritt in die Selbstständigkeit wagen.

Dr. med. Andrea Mertens (mit dem Bürgermeister weder verwandt noch verschwägert) erblickte vor 53 Jahren ebenfalls in Neuss das Licht der Welt. Heute wohnt sie in Holzheim. Die vergangenen 28 Jahre wirkte sie an einem Krankenhaus. Aktuell ist sie noch Oberärztin am Neuwerker Krankenhaus in Mönchengladbach. „Das war und ist meine erste, bisher einzige Stelle“, betont sie nicht ohne Stolz.

Und warum wollen die beiden nun gemeinsam „Landärzte“ werden? Man habe sich irgendwann „getroffen, miteinander geredet und so sei man auf die Idee gekommen“, berichten die beiden. „Das ist immer schon mein Lebenstraum gewesen“, schiebt Mertens nach. Und sie lacht: „Keine Nachtdienste und keine Wochenenddienste mehr.“ Obwohl man durch die Nähe zu den Patienten natürlich auch außerhalb der Praxiszeiten gefordert sei …

Übrigens kommen mit den beiden Ärztinnen jede Menge Fachrichtungen in der Praxis zusammen: Geriatrie, Gastroenterologie, Diabetologie und nicht zuletzt die Palliativmedizin wird von ihnen beherrscht.

Bei der letzteren werden schwerstkranke Menschen behandelt, deren Krankheit nicht mehr geheilt werden kann, mit dem Ziel, die Lebensqualität zu verbessern und Leiden zu lindern. „Ein sehr dankbarer Bereich“, betont Dr. Mertens. Und sie überrascht: „Die Begleitung hat Wert. Ich habe mehr Dankesbriefe von Verstorbenen als von anderen Patienten bekommen“. Die schreiben dann natürlich nicht die Patienten selbst, sondern deren Angehörige, die in den schweren Stunden des Abschiedsnehmen ja auch mitbetreut werden.

Die „Praxis am Gewerbepark“ (nahe des Sonnenbades) soll zu Beginn des neuen Jahres ihre Türen öffnen. Viel Arbeit, aber auch viel Vorfreude für die beiden Medizinerinnen, die auf dem Weg in die Selbstständigkeit vom ersten Tag an von der Wirtschaftsförderung in Person des Strukturwandelmanagers Florian Plück unterstützend begleitet werden.