Verein „Stille Geburten“ feierte 10-jähriges Bestehen
Rommerskirchen Seit zehn Jahren gibt es inzwischen den Verein „Stille Geburten“ – Grund genug, den Jahrestag jetzt gebührend zu feiern und dabei auch Rückschau auf die seit der Gründung im September 2016 geleisteten Arbeit zu halten. „Das, was uns damals bewegt hat, ist geblieben: der Wunsch, Familien in einer der schwersten Stunden ihres Lebens nicht allein zu lassen“, sagte die Vorsitzende Petra Friese bei der Feier in der Alten Schule in Sinsteden. Im vergangenen Jahrzehnt „durften wir viele Paare und Familien ein Stück ihres Weges begleiten“, erinnerte sie an zahlreiche Gespräche mit betroffenen Eltern.“
Deren Zahl ist bundesweit höher als zuweilen vermutet wird: So wurden in Deutschland 2024 2.900 Kinder tot geboren. Das waren rund 8 Totgeburten je 1.000 Geburten. 2021 lag der Wert sogar bei 3420 Totgeburten im Jahr.
Gesprächspartner für ansonsten vielfach stumm trauernde Eltern zu sein, sei „vielleicht eine der wichtigsten Aufgaben unserer Arbeit“, so Petra Friese. Sie bedankte sich bei allen Paaren, die „uns in einen so persönlichen Teil ihres Lebens hineingelassen haben.“
Eine stille Geburt betreffe niemals einen einzelnen Menschen: „Sie verändert eine Familie. Und manchmal verändert sie auch eine Beziehung. Deshalb ist es uns wichtig, nicht nur die Mutter zu sehen, sondern beide Eltern“, betonte Petra Friese.
Ein besonderer Teil der Arbeit ist das Sternenkinderfeld, das vor einigen Jahren dank der guten Zusammenarbeit mit der Gemeinde Rommerskirchen eingerichtet werden konnte: „Dieser Ort ist mehr als ein Grab. Er ist ein Zeichen dafür, dass die Kinder zu unserer Gesellschaft gehören. Dass sie Namen haben dürfen. Dass sie erinnert werden dürfen. Dass Eltern einen Ort haben, zu dem sie gehen können“, beschrieb Petra Friese die Bedeutung dieser – bundesweit wohl nimmer noch zu seltenen – Einrichtung.
„Dass der Verein ,Stille Geburten‘ diese Erinnerungskultur fördert und Familien dabei unterstützt, Abschied zu nehmen, ist ein wesentlicher Beitrag zu einem menschlicheren Umgang mit dem Verlust eines Kindes“, sagte Bürgermeister Dr. Martin Mertens, der Petra Friese und ihrem Team für ihr unermüdliches Engagement namens der Gemeinde Rommerskirchen dankte. Die Arbeit des Vereins verdiene „größten Respekt“, so der Bürgermeister: „Sie war der Beginn eines gesellschaftlich wichtigen Engagements für Menschen, deren Schicksal lange Zeit zu wenig Aufmerksamkeit erfahren hat.“
Dass die Arbeit des Vereins nicht nur in Rommerskirchen, sondern auch darüber hinaus wahrgenommen wird, zeigen die Auszeichnungen und Anerkennungen der vergangenen Jahre: 2021 wurde Stille Geburten mit dem Elisabeth-Preis der Caritas- Stiftung im Erzbistum Köln ausgezeichnet. Der Verein erhielt den ersten Preis, verbunden mit einem Preisgeld von 2.500 Euro.
Im Jahr 2022 folgte die Nominierung für den Deutschen Engagementpreis, und 2024 erhielt Petra Friese die die Ehrengabe der Gemeinde überreichen.
Die schon bislang hervorragende Zusammenarbeit mit der Gemeinde werde fortgesetzt, versicherte der Bürgermeister: Dies gelte nicht zuletzt für das Ziel eines Geburtshauses, auch wenn hierfür noch Zeit nötig sei.
Petra Friese bedankte sich auch bei ihren Mitstreiterinnen im Vorstand, „der nicht nur auf dem Papier existiert, sondern wirklich da ist. Menschen, die sich einbringen, mitdenken, anpacken, Verantwortung übernehmen und füreinander einstehen.“
„Eines der schönsten Geschenke dieses Jubiläums“ ist für sie, „zu wissen, dass das, was vor zehn Jahren einmal als Idee begonnen hat, heute von Menschen getragen wird, die mit genauso viel Herz dabei sind.“
INFO
2003: Erst seit diesem Jahr gilt in NRW, dass Fehl- oder Totgeburten nicht mehr als „medizinischer Abfall“ behandelt werden. Die Eltern haben seither das Recht auf eine Bestattung.
2013: Seit dem 15. Mai 2013 gilt bundesweit, dass „Sternenkinder“ auch bei einer Geburt unter 500 Gramm beim Standesamt namentlich registriert werden können.
