Logo und Motto der Gemeinde Rommerskirchen

Der Seufzer des Windenergie-Machers: „Das Stromnetz ist am Limit“

Gill. „Das Stromnetz ist am Limit.“ Dieser Satz von Tobias Storcks, seines Zeichens „Senior Projektleiter“ bei „Abo Energy“, war die zentrale Aussage während des Besuches von Bürgermeister Dr. Martin Mertens auf der Baustelle des ersten „XXL-Windkraftrads“ auf den Giller Feldern. Begleitet wurde der unter anderem von den beiden Strukturwandelmanagern der Gemeinde Florian Plück und Karolin Gathen.

Es ist das zweite Windrad, das „Abo Energy“ im „Windpark Gill“, direkt an der Grenze zum Regierungsbezirk Köln, baut. Im kommenden Sommer sollen zwei weitere hinzukommen. Dabei ist es aktuell gar nicht so einfach, den produzierten Strom (im Idealfall bis zu 4,2 Megawatt) auch ins Netz zu bekommen, wir Storcks betonte.

Das schon in Betrieb befindliche Windkraftrad (3,45 Megawatt) wurde damals an einer Umspannstelle am Rommerskirchener Bahnhof angeschlossen. Das jetzt gebaute (gerade wird das technische „Innenleben“ des Windrades im Mast etabliert; es soll noch in diesem Herbst den Betrieb aufnehmen) wird an das Umspannwerk in Anstel angeschlossen. „Das ist dann aber auch voll“, weiß Storcks.

Rund 7,5 Kilometer müssen dafür verlegt werden. Dadurch steigen die Baukosten um zusätzliche 500.000 Euro. Unter anderem muss der Gillbach gequert werden. Die beiden Windräder, die im kommenden Jahr dann folgen sollen, müssen gar in Oberaußem angeschlossen werden. Dafür müssen wiederum 8,5 Kilometer verlegt werden. Storcks spricht von 1,2 Millionen Euro Mehrkosten.

Auf der anderen Seite auf Pulheimer Gebiet werden übrigens weitere Windräder geplant. Der Investor dort denkt über die Errichtung eines eigenen Umspannwerkes nach. Das kostet nach Storcks Angaben rund fünf Millionen Euro. Der Bau hätte sich für „Abo Energy“ also nicht gerechnet. Und das jenseits der Regierungsbezirksgrenze in Rede stehende komme einfach zu spät.

Der Projektleiter spricht offen aus, dass sich die Investitionen aus Unternehmersicht über einen Zeitraum von 20 Jahren „rechnen“ müssten. „Und das bei sinkenden Strompreisen. Windkraft ist auch nicht mehr so lukrativ wie in den Anfangsjahren“, sagt er in seinem norddeutschen Tonfall trocken. Und da schmerzen Mehrkosten aufgrund von Einspeisungsproblemen natürlich.

Immerhin ist der Aufbau des Windrades unproblematisch gewesen und schnell gegangen. „Der Bauleiter hat gesagt, dass das Aufrichten total uninteressant gewesen wäre, weil es keinerlei Probleme gegeben hätte“, strahlt Strocks. Dabei darf die technische Leistung nicht unterschätzt werden: Bei einer Gesamthöhe von 200 Metern messen die Rotoren jeweils 150 Meter.

Das will sicher aufgerichtet sein. Dafür musste ein Spezialkran in 20 Chargen angeliefert und dann zusammengeschraubt werden. Angesichts der Tatsache, dass die neuen Windräder an die 300 Meter heranreichen (und der Kran auch entsprechend massiver werden muss) sieht Storcks hier bald eine Grenze erreicht.

Ansonsten werden die Windkrafträder immer ausgefeilter. Zwei Beispiele: Zum einen haben die Rotorenblätter an ihrem unteren Ende eine Sägeblattzahnung. Die soll helfen, die Windräder leiser zu machen, weil so der „Windteppich“, der sich automatisch bildet und der dafür sorgt, dass wir zum Beispiel Blätter rauschen hören, zerschnitten und aufgelöst wird.

Zum anderen ist da die „Befeuerung“, die dafür sorgen soll, dass Flugzeuge die Windräder sehen und sicher überfliegen können. Die wird inzwischen nicht mehr im Dauerbetrieb angeworfen, sondern springt nur an, wenn sich Flieger näher. So in etwa der Bewegungsmelder im heimischen Vorgarten …

Bild:
Der Bürgermeister mit Projektleiter und Bauleiter. Konversation auf Englisch.