Deutscher Schaustellerbund zu Gast bei Bürgermeister Dr. Martin Mertens – Albert Ritter und Felix Kremer weisen auf zunehmende Belastungen für Schausteller hin
Rommerskirchen Vermehrte Auflagen, schwierige Genehmigungsverfahren, ein Zuwachs an Bürokratie – Grund genug für Albert Ritter, Präsident des Deutschen Schaustellerbunds (DSB), nach der Kommunalwahl vor einem Jahr alle Bürgermeister in NRW zu kontaktieren, um mit ihnen über die Situation des Schaustellergewerbes zu diskutieren.
Dabei ging es nicht zuletzt darum, wie Volksfeste und Kirmesveranstaltungen als wichtiger Bestandteil des öffentlichen Lebens erhalten werden können. Für die Kommunen sind Schausteller i nicht nur Anbieter von Fahrgeschäften, Buden und Unterhaltung, sondern auch Partner bei traditionellen Veranstaltungen, die vielerorts seit Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten zum örtlichen Kulturleben gehören.
In einem lebhaften Gespräch schilderte Ritter die organisatorischen Belastungen für die und das Problem damit einher gehenden Kosten, insbesondere für kleinere Familienbetriebe. Albert Ritter ist Schausteller in mittlerweile siebter Generation: Geboren ist er in Hannover, weil seine Eltern dort gerade beim Schützenfest aktiv waren. Das Geschäft hat er von der Pike auf gelernt und verfügt auch über gediegene Kenntnisse über die bis weit ins Mittelalter reichende Historie der Schaustellerzunft: Das Liborifest in Paderborn etwa hat seine Wurzeln im neunten Jahrhundert. Er selbst hat noch die „Klassiker“ der Nachkriegszeit erlebt, als auf Schützen- und Volksfesten „Die schwebende Jungfrau“ und „Der stärkste Mann der Welt“ ebenso zu Attraktionen gehörten wie die Schaubude oder das Wanderkino.
Seit 2003 ist der Essener Präsident des DSB, seit 2006 übt er diese Funktion auch bei der Europäischen Schausteller-Union (ESU) aus, die 70.000 Mitglieder vertritt.
Ebenso wie der Bürgermeister ist Albert Ritter Sozialdemokrat: Für die SPD war er zuletzt Bundestagskandidat und 2009 gehörte er der Bundesversammlung an, die den Bundespräsidenten wählte. Einig sind sich Martin Mertens und Albert Ritter darin, dass „Volksfeste als öffentliche Räume ein wesentlicher Teil der demokratischen Kultur sind, gibt es doch wenig, was den gesellschaftlichen Zusammenhalt mehr fördert als gemeinsam zu feiern“, wie der Bürgermeister sagt.
Felix Kremer ist seit diesem Jahr Vorsitzender des Neusser Kreisverbands und in Rommerskirchen kein Unbekannter, nahm er doch schon an einem der Märkte auf dem Dorf- und Festplatz teil – was keine Eintagsfliege bleiben muss, wie bei dem Gespräch deutlich wurde, an dem auch Strukturwandelmanager Florian Plück teilnahm. Seine Familientradition ist weniger ausgeprägt als die von Albert Ritter: Kremer ist er in dritter Generation im Geschäft, in das sein Großvater als gelernter Bäckermeister eingestiegen war.
„Volksfeste und Kirmesveranstaltungen müssen als wichtiger Bestandteil des öffentlichen Lebens erhalten bleiben, das wissen gerade wir in Rommerskirchen als einer Schützen-Hochburg“, sagt Martin Mertens. „Wir werden alles uns als Kommune Mögliche tun, dass den Schaustellern ihre Arbeit nicht über Gebühr erschwert wird. Dafür werde ich mich auch über die Gemeinde hinaus engagieren“, so der Bürgermeister.
