70 Teilnehmer bei Kirchenführung in St. Briktius mit Gerd Broich
Auf ein gehöriges Alter bringen es die meisten katholischen Kirchen in Rommerskirchen, dass jedoch ihre älteste urkundliche Erwähnung von einem Papst herrührt, gilt einzig von der Pfarrkirche St. Briktius. Die dreischiffige romanische Pfeilerbasilika wird in das 12. Jahrhundert datiert, Papst Honorius III. bestätigte 1123 dem Kölner Stift St. Gereon den Besitz des Fronhofs und der dazu gehörigen Kirche. 1287 wurde Oekoven dann erstmals als „Parochie“ bezeichnet, also als eine Pfarrgemeinde.
Gut 70 interessierte Gäste nahmen jetzt an einer Führung durch St. Briktius teil. Mit von der Partie war auch Dr. Stephen Schröder, der Leiter des Kreisarchivs, der nach der Begrüßung der zahlreichen Gäste das Wort an Gerd Broich übergab, den wohl besten Kenner der Ortsgeschichte von Oekoven, Deelen und Ückinghoven, die allesamt zum Einzugsbereich von St. Briktius zählen.
Die einstige Stiftskirche ist dem heiligen Briktius (* um 370; † 444 in Tours) geweiht, was allein schon auf ihr hohes Alter hinweist. In Deutschland gibt es lediglich rund 20 Kirchen mit dem Namen dieses Heiligen, in ganz Europa sind es an die 160. Wem der Namenspatron nicht ganz so geläufig ist: Briktius war ein Schüler des neben St. Nikolaus wohl populärsten Heiligen der katholischen Kirche, nämlich des heiligen Martinus, und als vierter Bischof der französischen Stadt Tours dessen unmittelbarer Nachfolger.
Turm, Mittelschiff und Apsis der heutigen Kirche stammen aus der Erbauungszeit des 12. Jahrhunderts. Im 16. Jahrhundert wurden die Seitenschiffe verändert, im 17. wurden sie mit Kreuzgewölben überspannt. In den Jahren 1877 bis 1880 erfolgte in Regie des Kölner Architekten August Carl Lange die Beseitigung der späteren Umbauten samt einer Niederlegung der Seitenschiffe. Sie wurden in neoromanischen Formen neu erstellt und dem Stil des romanischen Originalbaues angepasst.
Neben pflanzenähnlichen Ornamenten finden sich an der Decke des Oekovener Gotteshauses Darstellungen aus dem Leben Christi und eine so genannte Majestas Domini („Die Herrschaft des Herrn“), die Jesus Christus auf seinem Thron zeigt. Ebenso ist die historistische Ausstattung weitgehend erhalten. So stammen das Chorgestühl, die Altäre, der Taufstein, die Orgel und der Radleuchter aus der Zeit der Restaurierung. Von der älteren Ausstattung von St. Briktius hat sich nur ein Hostienkelch aus dem Jahr 1791 erhalten.
Architektonisch „von außen eher ein Flickenteppich ist sonst sehr viel der kompletten Innenausstattung des 19. Jahrhunderts erhalten“, nannte Dr. Astrid Lang anlässlich der 2016 erfolgten Inventarisierung sakraler Kunstwerke und anderer Kirchenschätze den wichtigsten Grund für das Interesse von Kunsthistorikern an der Kirche. Die Dozentin an der Heinrich-Heine –Universität war mit Studenten häufiger in St. Briktius, u.a. zwecks praktischen Anschauungsunterrichts, wie die Inventarisierung von sakralen Kunstwerken und anderen Kirchenschätzen fachgerecht erfolgt.
Gut ein Jahr lang hatten damals die Kunsthistoriker Ivo Rauch und Reinhard Köpf im Auftrag des Erzbistums Köln die Innenausstattung von St. Briktius inventarisiert. Die Inventarisierung ging auf eine Anordnung des Papstes zurück, die bereits 2016 n 30 Jahre alt oder sogar noch älter war.
Auch treue Kirchgänger dürften vielfach gar nicht wissen, welche Schätze ihr Gotteshaus birgt und was es mit diesen auf sich hat. Längst nicht jedem bekannt sein dürfte, dass sich die Pfarrkirche rühmen kann, im Besitz einer besonders kostbaren Reliquie ihres Namenspatrons zu sein: Der Schädel des heiligen Briktius ist allerdings nicht öffentlich zu sehen, sondern ruht wohl verwahrt in einem Tresor.
Von besonderem Interesse für Wissenschaftler und Kunsthistoriker sind nicht zuletzt die nach wie vor deutlichen Spuren, die der im 19. Jahrhundert berühmte Kirchenmaler Matthias Goebbels hinterlassen hatte, der 32 Jahre lang als Kaplan an St. Maria im Kapitol in Köln tätig war, das Jahrhunderte alte Verbindungen zu den Pfarreien am Gillbach unterhielt. Experten sind sich einig: Nur in zwei Kirchen im gesamten Rheinland sind Werke von Goebbels derart gut erhalten wie in St. Briktius.
Begeistert von der Führung durch das für viele Kenner womöglich – zumindest in seinem Innenbereich – schönste Gotteshaus am Gillbach, zeigte sich auch Vizebürgermeister Harry Marquardt: „Es war eine tolle und höchst informative Veranstaltung, die man sich durchaus auch für andere Kirchen und historische Gebäude wünschen würde“, so sein Kommentar.
Nach mindestens 850 Jahren als Pfarrkirche wird St. Briktius diesen Status zum 1. Januar 2028 verlieren. Gleiches gilt für die anderen vier katholischen Pfarreien, die bisher im Seelsorge Bereich Rommerskirchen-Gilbach zusammengefasst sind. Aus dem soll in knapp anderthalb Jahren dann eine einzige katholische Pfarrgemeinde für Rommerskirchen werden. Gleichwohl bleibt, wie auch in den anderen Pfarreien der Kirchenname erhalten, so dass St. Briktius weiterhin St. Briktius bleibt.
