Kontakte nach Limburg: „Letztendlich ist es ein anderes Land“
„Bonjour mes enfants“ steht in bunten Lettern auf der Tafel. „Öhn, dö, troa …“ hallt, getragen von fröhlichen Kinderstimmen, durch den Klassenraum. Die neue Französisch-AG der Frixheimer Gemeinschaftsgrundschule steht unter der Leitung von Michael Willmann, seines Zeichens Ex-Kommunalpolitiker mit frankophiler Begeisterung, im Hauptberuf Gymnasiallehrer, der hier im Ehrenamt Kindern der Klassen 2 und 3 die große Weltsprache näherbringt.
„Angeworben“ wurde er von seinem Nachbarn und Freund Bürgermeister Dr. Martin Mertens, der aktuell dabei, ist eine „Vor-Corona-Idee“, die dann während der Pandemie zum Ruhen kam, wiederzubeleben: Zu der Stadt Limburg in Belgien bestehen Kontakte, die sollen gepflegt und ausgebaut werden. Ein Plan: Für die Kinder der Frixheimer Grundschule soll es zum Austausch kommen. Tagesausflüge und Klassenfahrten könnten in diese Region führen.
„Bis Eupen wird deutsch gesprochen“, resümiert Willmann, „Irgendwo danach in den Bergen gibt es eine Sprachgrenze“. In Limburg selbst ist Französisch Schulsprache.
Der Französisch-Lehrer und der Bürgermeister waren schon zweimal zusammen in Limburg. „Wir haben uns gefragt, was man dort mit den Schulkindern machen kann und haben so ein mögliches Programm entwickelt“, führt Michael Willmann aus. Natürlich würde das mit einem Besuch in der dortigen Schule beginnen. In direkter Nähe liegt aber auch die Talsperre Gileppe, die viele Freizeitmöglichkeiten (Tretboot, Kletterpark, Picknick) bietet. Eine Jugendherberge würde im nahen Malmedy zur Verfügung stehen.
Willmann, der übrigens gerne bereit wäre, künftige Klassen- oder Abschlussfahrten zu begleiten, hat auch schon recherchiert, dass es Fördermöglichkeiten für einen solchen Austausch geben würde: Sowohl die EU als auch das Land Nordrhein-Westfalen hätten entsprechende Fördertöpfe, betont er. Ziel sei es dabei, den Kindern Vielfalt zu vermitteln und ihnen die Angst vor der anderen Sprache und dem anderen Lebensstil zu nehmen. „Letztendlich ist es ein anderes Land“, betont der Pädagoge, der mit der gemeinschaftlichen Initiative mit Bürgermeister Dr. Martin Mertens „ein Zeichen nach außen für Friede und Freundschaft setzen“ will.
Als kürzlich der Französisch-Unterricht in der AG-Schiene der Frixheimer Grundschule eingeführt wurde, war die Resonanz gut: 15 Kinder kommen nun Woche für Woche zum „frankophilen Nachsitzen“. Die meisten von ihnen sind keine OGS-Teilnehmer, sondern gehen eigens für diesen Kurs zurück zur Schule. „Die freuen sich immer auf die gemeinsame Zeit“, strahlt Willmann. Und die „Standardphrasen“ (Guten Morgen. Wie geht’s? Ich heiße …) funktionierten schon relativ gut: „Die Kinder kommen schnell in die richtige Aussprache.“
Nur eines verwunderte den Gymnasial-Lehrer, der nunmehr auch einer Grundschule wirkt: Anfangs bemühte er sich, für die „Pänz“ in Schreibschrift an die Tafel zu schreiben. Vergebens, den prompt kam die Ansage: „Das können wir nicht lesen“. Das braucht nämlich die schnörkellose Druckschrift …
Im neuen Schuljahr sollen die Klassen 2 bis 4 die Möglichkeit bekommen, an der Sprach-AG teilnehmen. Und einem ersten Tagesausflug stünde dann auch nichts mehr im Wege.
