Gillbach-Konzept im Rat vorgestellt – Grundlage für weitere Entscheidungen
In der Ratssitzung am 28.Mai wurde das gemeinsam erarbeitete Konzept zur Zukunft des Gillbachs und seiner Wasserführung nach dem Ende des Braunkohletagebaus ausführlich vorgestellt und diskutiert. Dabei standen Vertreter des Erftverbandes und der RWE Power AG den Ratsmitgliedern Rede und Antwort.
Für den Erftverband erläuterte Dr.-Ing. Dietmar Jansen, Bereichsleiter Gewässer, die wasserwirtschaftlichen Grundlagen und die Ergebnisse der Untersuchungen. Für die RWE Power AG nahm u.a. Simon Wittig vom Bereich Wasserwirtschaft an der Sitzung teil und stellte die Perspektiven aus Sicht des Unternehmens dar.
Bürgermeister Dr. Martin Mertens betonte in der Sitzung nochmals ausdrücklich, dass das vorgelegte Konzept keine abschließende Planung darstellt und keine endgültigen Lösungen festlegt.
„Wir haben mit diesem Gutachten erstmals eine fundierte fachliche Grundlage geschaffen. Es zeigt Möglichkeiten, Chancen, Risiken und Entwicklungsperspektiven auf. Abschließende Entscheidungen können und sollen daraus heute jedoch noch nicht abgeleitet werden. Vielmehr bildet das Konzept die Basis für weitere politische Beratungen, Beschlüsse und konkrete Maßnahmen in den kommenden Jahren.“
Gleichzeitig verwies Mertens auf die zahlreichen offenen Fragen, die derzeit noch nicht auf kommunaler Ebene beantwortet werden können und maßgeblich von energiepolitischen Entscheidungen des Bundes abhängen.
Eine zentrale Frage sei, ob die Braunkohleverstromung tatsächlich wie vorgesehen im Jahr 2030 in Nordrhein-Westfalen endet und damit auch am Kraftwerksstandort Niederaußem die Kühlwassereinleitungen eingestellt werden. Von dieser Entscheidung hänge unmittelbar die zukünftige Wasserführung des Gillbachs ab.
Ebenso offen sei die Frage, ob am Standort Neurath tatsächlich eine moderne GuD-Anlage (Gas- und Dampfkraftwerk) errichtet werde. Eine entsprechende Planung liege grundsätzlich vor. Sollte es zu einer konkreten Investitionsentscheidung kommen, könnten die anfallenden Wassermengen eines solchen Kraftwerks künftig einen wichtigen Beitrag zur Wasserführung des Gillbachs leisten.
„Diese Fragen sind derzeit auf Bundesebene noch nicht abschließend geklärt. Deshalb müssen wir als Region wachsam bleiben und gemeinsam Einfluss auf die Landes- und Bundesebene nehmen. Für die Menschen vor Ort ist entscheidend, dass frühzeitig Klarheit geschaffen wird und Perspektiven entstehen, wie der Gillbach auch künftig Wasser führen kann“, erklärte Martin Mertens.
Im Verlauf der intensiven Debatte wurden unterschiedliche Positionen deutlich. Insbesondere Ratsmitglied Katharina Janetta äußerte Kritik an einzelnen Einschätzungen und Annahmen des Erftverbandes. Die Vertreter der beteiligten Institutionen beantworteten hierzu ausführlich die Fragen der Ratsmitglieder und erläuterten die fachlichen Hintergründe des Gutachtens.
Am Ende der Diskussion bestand jedoch Einigkeit darüber, dass das Thema den Rat und die Gemeinde langfristig begleiten wird. Vereinbart wurde deshalb, die Entwicklung des Gillbachs künftig regelmäßig in den zuständigen Ausschüssen für Umwelt sowie Bauen und Planen zu beraten.
Darüber hinaus sollen – soweit möglich – konkrete Maßnahmen schrittweise vorbereitet und umgesetzt werden. Ebenso sollen auf Kreis- und Landesebene entsprechende Initiativen und Anträge unterstützt werden, um die wasserwirtschaftlichen und strukturellen Rahmenbedingungen für die Zukunft des Gillbachs aktiv mitzugestalten.
Alle Beteiligten waren sich darin einig, dass der Gillbach auch künftig ein prägendes Element der Region bleiben soll und dass die kommenden Jahre genutzt werden müssen, um tragfähige Lösungen für seine Zukunft zu entwickeln.
